Duales Ausbildungssystem in Berlin: Wie lokale Unternehmen ihren eigenen Nachwuchs sichern

Es kommt nicht selten vor, dass es in Betrieben an Mechanikern mangelt, in der Logistik Fachkräfte fehlen und Stellenanzeigen auf keinerlei Interesse stoßen. Aus diesem Grund hat sich bereits Ende des 20. Jahrhunderts in Deutschland das duale Ausbildungssystem als bewährte Praxis etabliert. In Berlin fungiert es als paralleles Förderband zur Vorbereitung von Fachkräften direkt für das Business.

In den 2020er Jahren wurde das System weiter perfektioniert. Ein Arbeitssuchender kann zu einem Unternehmen kommen, einen Vertrag unterzeichnen und sofort mit der Arbeit beginnen. Dies geschieht jedoch unter der Bedingung, dass er einige Tage pro Woche dem Unterricht in einer Berufsschule widmet, wo die theoretische Basis und das notwendige Fachwissen vermittelt werden. Mehr dazu auf berlin1.one.

Wie lösen Berliner Unternehmen ihr Personalproblem?

Viele deutsche Unternehmer haben die Suche nach passenden Spezialisten auf dem freien Arbeitsmarkt längst aufgegeben, da sie die Erfahrung gemacht haben, dass es weitaus rentabler ist, Fachkräfte eigenständig für den eigenen Bedarf auszubilden. Sie stellen Auszubildende ein und binden sie schrittweise in die Arbeitsabläufe ein, ohne auf beschleunigte Crashkurse zu setzen.

Darin liegt die Logik des dualen Systems, das von der IHK Berlin koordiniert wird: Ein Großteil der Unternehmen löst seinen Personalbedarf durch eigene Absolventen. Ein junger Mensch kommt in eine konkrete Werkstatt oder ein Büro und beginnt bereits in den ersten Monaten, in die Prozesse hineinzuwachsen, Abläufe zu verstehen und Regeln zu erlernen. Es entsteht eine Situation, in der die Fachkraft bereits innerhalb des Systems geformt wird.

In Berlin arbeiten tausende Unternehmen nach diesem Prinzip – von kleinen Handwerksbetrieben bis hin zu großen Industrieanlagen. Hier wird dies nicht als isolierte HR-Strategie betrachtet, sondern eher als eine Art Überlebensstrategie. In einer Stadt, in der es ständig an qualifiziertem Personal mangelt, kalkuliert das Business längst nicht mehr nur mit Gehältern. Berücksichtigt wird auch der Faktor Zeit: Wie viel Aufwand erfordert die Suche nach einem Profi und welchen Gewinn erzielt das Unternehmen, wenn es eine solche Fachkraft direkt vor Ort ausbildet.

Wie funktioniert das in der Praxis?

In der deutschen Hauptstadt ist dieses Ausbildungssystem bestens eingespielt und funktioniert wie ein Uhrwerk. Die duale Ausbildung in Berlin setzt konkrete Rahmenbedingungen: Welche Berufe existieren und wie genau die Vorbereitung auszusehen hat. Hier greifen die Kammern – IHK Berlin oder HWK – ein, die kontrollieren, dass die Unternehmen die Regeln einhalten, die Verträge registrieren und die Abschlussprüfungen organisieren.

In der Praxis ist der Ablauf simpel, das Unternehmen:

  • nimmt einen Bewerber für eine Ausbildungsstelle an;
  • unterzeichnet mit ihm einen Ausbildungsvertrag;
  • zahlt eine Ausbildungsvergütung.

Die Höhe der Vergütung liegt je nach Beruf und Lehrjahr zwischen 800 und 1300 Euro pro Monat. Dem Auszubildenden wird sofort ein Mentor zur Seite gestellt, der hilft, die Prozesse schneller zu meistern. Einen Teil der Zeit verbringt der Lehrling in der Berufsschule, den Rest an seinem neuen Arbeitsplatz.

Für kleinere Unternehmen gibt es eine weitere Option – die Verbundausbildung. Dabei teilen sich mehrere Betriebe die Ausbildung. Einige vermitteln die Basisfertigkeiten, andere die spezialisierten Kenntnisse. Am Ende führt dies wieder zum gleichen Ergebnis: Das Unternehmen erhält eine Fachkraft, die die Nuancen der spezifischen Produktion genau kennt.

Reale Zahlen, die für sich selbst sprechen

In Berlin übernehmen die meisten Firmen nach Abschluss der Ausbildung diejenigen, die sie selbst vorbereitet haben. Nach Angaben der Berliner Kammern arbeiten etwa die Hälfte der Absolventen des dualen Systems weiterhin im selben Unternehmen. Dies ist eher die Regel als die Ausnahme.

Denn während der Ausbildung durchläuft der Mitarbeiter alle Arbeitsschritte: von einfachen Aufgaben bis hin zu komplexen Prozessen. Er sieht, wie Entscheidungen getroffen werden, wie Probleme gelöst werden und wie die gesamte Arbeitskette funktioniert. Daher ist die Entscheidung naheliegend, dort zu bleiben, wo bereits alles vertraut und verständlich ist. Für das Business bedeutet das: geringere Kosten für die Personalsuche und ein eingespieltes Team.

Besonders deutlich wird dies in Branchen mit dem größten Fachkräftemangel:

  • Metallverarbeitung;
  • Elektrotechnik;
  • Logistik;
  • IT;
  • Pflege und Medizin.

Unternehmen, die nach dem dualen System arbeiten, geraten seltener in Situationen, in denen der Betrieb aufgrund von Personalmangel stillsteht, da sie bereits über Fachkräfte auf dem erforderlichen Niveau verfügen.

Wie kann ein lokales Unternehmen in das System einsteigen?

In Berlin ist der Einstieg unkompliziert. Ein Unternehmer muss sich lediglich an die IHK Berlin oder die entsprechende Handwerkskammer wenden, wo ihm geholfen wird, das erforderliche System aufzubauen. In dieser Frage werden sowohl Großkonzerne als auch kleine Werkstätten unterstützt, ohne Unterscheidung in wichtig oder unwichtig. Entscheidend ist, dass der Betrieb über eigene Ausbilder mit entsprechender Erfahrung verfügt.

Nach der Kontaktaufnahme mit der IHK Berlin oder der Kammer folgen diese Schritte:

  • Registrierung des Unternehmens als Ausbildungsbetrieb;
  • Auswahl der gewünschten Ausbildungsberufe;
  • Suche nach den ersten Kandidaten;
  • Bereitschaft, in die ersten Monate der Ausbildung zu investieren.

Anschließend wird mit dem Bewerber ein Vertrag über 2 bis 3,5 Jahre geschlossen – abhängig vom jeweiligen Beruf. Das Unternehmen zahlt die Ausbildungsvergütung und erhält in bestimmten Fällen sogar Unterstützung durch staatliche Programme.

Können ukrainische Geflüchtete die duale Ausbildung in Berlin nutzen?

Diese Option wäre für viele ukrainische Unternehmer oder Fachkräfte, die nach 2022 nach Deutschland gekommen sind, optimal. Und sie haben tatsächlich das Recht auf eine duale Ausbildung; mehr noch – viele Ausländer machen bereits von diesem Recht Gebrauch.

Die deutsche Gesetzgebung erlaubt es Personen mit vorübergehendem Schutz, an einer dualen Berufsausbildung teilzunehmen. Voraussetzung hierfür sind eine gültige Aufenthaltserlaubnis und die Arbeitsberechtigung.

Die wichtigsten Bedingungen sind in der Regel:

  • ein ausreichendes Deutschniveau (ab A2–B1 und höher, je nach Beruf);
  • die Bereitschaft des Bewerbers, einen Vertrag mit dem Unternehmen zu unterzeichnen.

Viele Berliner Firmen wählen Ukrainer unter anderen Kandidaten aus, wobei sie nicht nur den Fachkräftemangel, sondern auch die hohe Motivation der Menschen berücksichtigen, die sich schnell integrieren möchten.

Wie funktioniert das in der Praxis für Ukrainer?

Ukrainer können sich genauso wie Einheimische auf Ausbildungsstellen im Rahmen der dualen Ausbildung in Berlin bewerben. Dies ist über Portale wie IHK Berlin, Ausbildung.de, Azubiyo oder direkt über die Karriereseiten der Unternehmen möglich. Einige Betriebe rufen spezielle Unterstützungsprogramme für Geflüchtete ins Leben – inklusive zusätzlicher Sprachkurse und Starthilfe bei der Adaption.

Nach Vertragsunterzeichnung erhalten Ukrainer nicht nur die Ausbildungsvergütung, sondern auch:

  • soziale Garantien;
  • die Möglichkeit der Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis im Zusammenhang mit der Ausbildung (abhängig vom jeweiligen Aufenthaltsstatus).

Es gibt bereits zahlreiche reale Beispiele. Viele Ukrainer in Berlin lassen sich bereits zu Elektrikern, Mechanikern, Logistikern, medizinischen Fachkräften oder IT-Spezialisten ausbilden. Dem Business sichert dies motivierte Mitarbeiter, die schnell in die Prozesse einsteigen. Für die Ukrainer selbst ist es die Chance, nicht nur Arbeit zu finden, sondern eine deutsche Qualifikation, ein stabiles Einkommen und eine langfristige Bleibeperspektive im Land zu erhalten.

Welche Möglichkeiten eröffnet die duale Ausbildung?

Nach Abschluss der dualen Ausbildung legt der Lehrling seine Abschlussprüfungen ab, die von der jeweiligen Kammer (IHK oder HWK) organisiert werden. Besteht der Absolvent diese Prüfungen, erhält er ein staatliches Zeugnis über die Berufsqualifikation, das in ganz Deutschland anerkannt wird. Für viele endet die Jobsuche damit faktisch: Das Unternehmen, in dem die Ausbildung stattfand, bietet meist einen unbefristeten Vertrag an. Es gibt auch Mitarbeiter, die dieses Zeugnis als Startpunkt nutzen, um zu einem anderen Arbeitgeber zu wechseln, sich zum Meister weiterzubilden oder sogar ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Für Ukrainer ist dies noch aus einem weiteren Grund wichtig: Eine deutsche Berufsqualifikation genießt auch in anderen Ländern der Europäischen Union ein hohes Ansehen. Obwohl die Regeln für die Beschäftigung variieren können, erleichtert die duale Ausbildung in Berlin die Jobsuche erheblich.

Das erhaltene Diplom kann in den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), dem 30 Staaten angehören, offiziell anerkannt werden. Die Schweiz wendet hierbei gesonderte Regeln an. Zwar kann für einige Berufe, insbesondere im medizinischen Bereich, ein zusätzliches Anerkennungsverfahren erforderlich sein, dennoch bleibt die deutsche Qualifikation ein gewichtiger Vorteil für Arbeitgeber in ganz Europa.

Quellen:

  1. https://www.dihk.de/
  2. https://www.wegweiser-duales-studium.de/
  3. https://www.azubiyo.de/ausbildung/berlin/
  4. https://www.aubi-plus.de/
  5. https://www.berlin.de/sen/bildung/schule-und-beruf/duale-ausbildung/

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