„Kaiserhof“ – Das erste Berliner Luxushotel

Im 21. Jahrhundert zählt Berlin über 3700 Hotels unterschiedlicher Kategorien und Eigentumsformen. Doch unter ihnen gibt es nur noch wenige historische Häuser. Viele Gebäude wurden während des Zweiten Weltkriegs bei Bombenangriffen zerstört und später nicht wiederaufgebaut. Zu den verschwundenen Hotels gehört der „Kaiserhof“, dessen Name übersetzt „Kaiserlicher Hof“ bedeutet. Im 19. Jahrhundert war er das erste Berliner Luxushotel. Es lag im alten Regierungsviertel gegenüber der Reichskanzlei am Wilhelmplatz. Der „Kaiserhof“ ging in die Geschichte der Stadt ein, weil er als erstes Hotel mit den modernsten wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften seiner Zeit ausgestattet war. Leider konnte er nicht erhalten werden. Mehr dazu auf berlin1.one.

Was machte den „Kaiserhof“ besonders?

Im Oktober 1875 berichteten zahlreiche Berliner Zeitungen begeistert über die Eröffnung des Hotels. Die Journalisten lobten die elektrische Beleuchtung, die ausgestatteten Badezimmer, Telefonverbindungen und die Dampfheizung. Als wahres Wunder galten damals die pneumatischen Aufzüge und modernen Gasherde. Dieses Meisterwerk an Komfort wurde von der „Berliner Hotel AG“ finanziert, und das Projekt wurde 1872 von den besten Architekten des Büros „Hude & Hennicke“ entworfen.

Doch die Bauherren hatten Pech. Nur wenige Tage nach der Eröffnung im Oktober 1875 brach ein Brand aus, und die Reparaturarbeiten dauerten ein Jahr. Die Räume wurden jedoch perfekt restauriert. Die Architekten hatten 260 Zimmer mit luxuriösen Interieurs geplant, und diese Vorgaben wurden streng eingehalten. Die Stromversorgung übernahm das zweite Berliner Elektrizitätswerk, das von „Siemens & Halske“ in der Mauerstraße errichtet worden war.

Jahre des großen Ruhms

Der luxuriöse Aufenthalt zog viele prominente Gäste an. Politiker, Stars und bedeutende Persönlichkeiten nutzten gerne die Dienste des „Kaiserhofs“. Wer sich ein Zimmer dort leisten konnte, zeigte seinen hohen Status oder beträchtliches Einkommen. Im Jahr 1878 wurde der „Kaiserhof“ für den Berliner Kongress ausgewählt – ein internationales Treffen, das die Bedingungen des San-Stefano-Vertrags von 1878, der den Russisch-Türkischen Krieg beendete, revidierte. Diese weltbewegende Veranstaltung rückte den „Kaiserhof“ ins Rampenlicht.

Das Hotel wurde so populär, dass sogar die U-Bahn-Station unter dem Wilhelmplatz, die im Oktober 1908 eröffnet wurde, den Namen „Kaiserhof“ erhielt (heute: Mohrenstraße). Im Hotel fanden nicht nur Staatsbesuche statt, sondern auch prachtvolle Feierlichkeiten. Doch in den 1920er-Jahren, während der Wirtschaftskrise, begann der Glanz des Hotels allmählich zu verblassen.

Eine zweite Chance auf Ruhm

Im Jahr 1924 wurde das Hotel von der „Aschinger AG“ gekauft. Der Betrieb wurde fortgesetzt, verursachte jedoch erhebliche Verluste. Ein Verkaufsversuch 1926 blieb erfolglos. Dennoch hatte das Hotel Glück, da Berlin in den 1920er-Jahren als Zentrum intellektueller, kultureller und diplomatischer Aktivitäten zu einem der bedeutendsten Städte der Welt wurde. Verschiedene Organisationen, darunter der „SeSiSo“-Club, die Paneuropa-Union von Richard Coudenhove-Kalergi und die NSDAP von Adolf Hitler, nutzten den „Kaiserhof“ für ihre Treffen, wodurch neue Einnahmen entstanden.

Ein besonderes Ereignis fand 1931 statt, als im „Kaiserhof“ ein Treffen der Deutsch-Englischen Gesellschaft anlässlich des Besuchs des britischen Premierministers Ramsay MacDonald stattfand. Diskutiert wurden Frieden und Handel, und unter den Teilnehmern waren deutsche Politiker wie Reichskanzler Heinrich Brüning und Außenminister Julius Curtius. Nach der Machtübernahme Hitlers verlor die Gesellschaft jedoch ihren politischen Einfluss.

Das Lieblingshotel des Führers

Auch Adolf Hitler machte den „Kaiserhof“ berühmt. Schon in den 1920er-Jahren wurde berichtet, dass das Hotelmanagement rechtsextremen nationalistischen Gruppen wohlgesinnt war und diese beherbergte. 1932 zog Hitler selbst in den „Kaiserhof“, um seine Kandidatur für die Reichspräsidentenwahl vorzubereiten. Auch Hermann Göring feierte 1935 seine zweite Hochzeit mit Emmy Göring im Hotel. Joseph Goebbels erwähnte den „Kaiserhof“ in seinen Memoiren als einen wichtigen Ort in der Geschichte der Nationalsozialisten. Es bleibt unklar, wie das Hotel nach dem Krieg und der Teilung Deutschlands genutzt worden wäre, doch das Schicksal entschied anders.

Das Ende einer Legende

Im November 1943 wurde das Gebäude bei britischen Bombenangriffen vollständig zerstört. Später wurden die Trümmer beseitigt, und 1974 entstand an dieser Stelle die Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Korea. Seit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Nordkorea im Jahr 2001 befindet sich dort die Botschaft Nordkoreas.

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