Die „Brauerei Königstadt AG“ wurde 1849 als „Bayerische Brauerei Wagner“ auf einem der ehemaligen „Windmühlenberge“ am Stadtrand Berlins gegründet und 1861 von „d’Heureus & Busse“ übernommen. Bereits 1871, nach dem Deutsch-Französischen Krieg, wurde die Brauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Nachfrage nach diesen Aktien war so groß, dass deren Ausgabe auf nur drei Tage beschränkt wurde. Das Unternehmen stellte in diesem Status zwischen 1851 und 1921 Bier her. Mehr über die Geschichte der Brauerei erfahren Sie auf berlin1.one.
Wirtschaftlicher Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts

Die Brauerei „Königstadt AG“ erlebte ab 1871 einen starken Aufschwung und wurde zu einer der größten Brauereien Berlins. Ihr Name leitet sich von den Bezeichnungen „Königsstadt“ oder „Königstor“ ab, da der erste preußische König Friedrich I. durch dieses Stadttor fuhr, das sich an der Ecke Greifswalder Straße und Prenzlauer Allee befand.
Steigende Nachfrage und wirtschaftliche Erholung nach der Überwindung von Krisen führten Mitte der 1890er Jahre zu einer Erweiterung der „Königstadt AG“. Die Brauerei erhielt größere Öfen, eine neue Mälzerei, eine Maschinenhalle, moderne Abfüllanlagen, Lagerkeller und zusätzliche Lagerflächen, die zusammen einen industriellen Komplex bildeten, der im Wesentlichen bis heute besteht. Die erhaltenen Gebäude bieten Einblick in die vollständig mechanisierten Produktionsprozesse einer Brauerei des späten 19. Jahrhunderts.
Innovationen von „Königstadt AG“

Die Brauerei bot eine Freizeitgestaltung der besonderen Art mit einer Bar, einer Bowlingbahn und einem Karussell, die von den Bewohnern der umliegenden Mietshäuser rege genutzt wurden. Zudem ermöglichte ein einzigartiges Konzept der Flächenvermietung zusätzliche Einnahmen und führte zu einer frühen Diversifikation, die heutigen Einzelhandelsstrategien ähnelt.
Der Erste Weltkrieg stellte die Brauerei jedoch vor erhebliche Herausforderungen: Rohstoff- und Arbeitskräftemangel beeinträchtigten den Betrieb nachhaltig. Auch nach dem Krieg setzte sich dieser Druck fort. Im Jahr 1921 verkaufte die „Königstadt AG“ ihre Brauerei an „Kind’l“ und verlagerte ihren Fokus auf die Nutzung des Geländes in der dicht besiedelten nordöstlichen Region Berlins.
In den folgenden Jahren zogen kleinere Unternehmen auf das ehemalige Brauereigelände. Ab 1925 wurde der große Ausschankbereich mit mehr als 1500 Plätzen in ein Premierenkino umgewandelt, das dem neuen Medium Film diente. Das Gelände wurde für kleine Betriebe der Automobilindustrie, Transportdienstleister, Handwerks- und Produktionsunternehmen sowie Lagerhäuser genutzt. Das Hauptgebäude und die Keller wurden zu Garagen umgebaut.
Nach dem Fall der Berliner Mauer

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Teile der Keller in Luftschutzbunker umgewandelt, deren Eingang an der Straßburger Straße noch erhalten ist. In anderen Kellerräumen wurden elektrische Bauteile für die V-Waffen sowie Holzvergaser-Systeme für Fahrzeuge produziert.
Im Gegensatz zur Fassade an der Schönhauser Allee überstanden die Wirtschaftsgebäude den Krieg weitgehend unbeschädigt. Bombenschäden wurden schnell repariert, und die Gebäude wurden weiterhin für Lager-, Transport- und Gewerbezwecke genutzt.
Bis zum Fall der Berliner Mauer wurde der Industriehof von den kommunalen Behörden Ost-Berlins, der Staatssicherheit und dem VEB Reform Möbelproduktion genutzt. Nach dem Mauerfall wurden die Überreste der alten Brauerei an der Schönhauser Allee abgerissen. An ihrer Stelle entstand ein großes Büro- und Geschäftshaus, während die kleine gewerbliche Nutzung auf dem Gelände fortgeführt wurde. Künstler und Medienunternehmen zogen neben traditionelle Handwerksbetriebe.
Im Jahr 2003 erwarb die Genossenschaft „Gewerbehof Saarbrücker Straße“ das Gelände.
