Berlin und Brecht sind für immer verbunden. Hier arbeitete er im „Berliner Ensemble“ und hier begann sein weltweiter Ruhm, bevor er ins Exil gehen musste. In Berlin schrieb er den Text für die Dreigroschenoper. Die Musik dazu stammte von Kurt Weill, der ebenfalls in Berlin lebte. Mehr über das Leben und Schaffen des Schriftstellers und Dramatikers erfahren Sie auf berlin1.one.
Die Familie von Bertolt Brecht

Bertolt, dessen vollständiger Name Eugen Bertolt Friedrich Brecht lautete, wurde 1898 in Augsburg geboren. Eugen Brecht, wie der junge Bertolt genannt wurde, wuchs unter wirtschaftlich und sozial sicheren Bedingungen auf. Sein Vater, Berthold Friedrich Brecht, hatte keine höhere Bildung genossen. Er besuchte die Volksschule und absolvierte eine kaufmännische Lehre. 1893 trat er als Buchhalter in die Augsburger Haindl’sche Papierfabrik ein, ein florierendes Unternehmen mit etwa 300 Mitarbeitern allein in Augsburg. Schnell stieg er zum Prokuristen auf. Brechts Mutter, Wilhelmine Friederike Sophie, stammte aus einer Familie kleiner Staatsbeamter. Ihr Vater, Josef Friedrich Brezing, war Stationsvorsteher, und ihre Mutter, Friederike Brezing, geborene Hamerdinger, Brechts Großmutter, hatte eine poetische Ader und las ihren Enkeln Geschichten aus der Bibel vor.
Der Vater war Katholik, die Mutter Protestantin. Sie einigten sich darauf, die Kinder im protestantischen Glauben zu erziehen, was Eugen Brecht zur Minderheit im überwiegend katholischen Augsburg machte.
Der Beginn der künstlerischen Karriere

Bertolt Brecht besuchte ab 1904 die Volksschule in Augsburg und ab 1908 das Augsburger Realgymnasium. Seine schulischen Leistungen waren regelmäßig gut. Er erhielt Unterricht in Klavier-, Geigen- und Gitarrenspiel. Nach dem Abitur im Jahr 1917 schrieb sich Brecht an der medizinisch-naturwissenschaftlichen Fakultät in München ein, bevorzugte jedoch seine literarischen Interessen.
1922 fand in München die Uraufführung seines ersten Werkes Trommeln in der Nacht statt. Seine Dramen Baal und weitere Werke wurden als Bücher veröffentlicht. Bei der Premiere von Trommeln in der Nacht in Berlin lernte Brecht seine spätere Frau Helene Weigel kennen.
1924 zog der junge Schriftsteller nach Berlin, wo er als Dramaturg bei Max Reinhardt am Deutschen Theater arbeitete. Ab 1926 begann er sich für den Marxismus zu interessieren, was seine Werke prägte und zur Schaffung sogenannter Lehrstücke führte.
1928 fand die Premiere der Dreigroschenoper am Theater am Schiffbauerdamm statt. Diese Aufführung markierte den Beginn von Brechts Konzept des „epischen Theaters“. Dabei sollten Verfremdungseffekte die Identifikation des Publikums mit dem Bühnengeschehen erschweren, um eine kritische Distanz zu erzeugen.
„Mutter Courage und ihre Kinder“

1929 heiratete Brecht Helene Weigel. Gleichzeitig sorgte die Premiere der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny für einen Skandal – NSDAP-Anhänger störten die Aufführung.
Ab 1933 lebte Brecht im Exil in verschiedenen europäischen Ländern und den USA. In dieser Zeit entstanden Werke wie Mutter Courage und ihre Kinder, das 1941 in Zürich uraufgeführt wurde, und Leben des Galilei.
Mutter Courage und ihre Kinder wurde tatsächlich im schwedischen Exil geschrieben. Brecht lebte ein Jahr in einem Bauernhaus in Lidingö bei Stockholm. Heute existiert das Haus nicht mehr, doch die schwedische Landschaft inspirierte ihn sichtlich, was im Werk erkennbar ist.
1949 kehrte Brecht nach Ost-Berlin zurück, wo Helene Weigel die Leitung des neu gegründeten „Berliner Ensemble“ übernahm. Brecht wurde künstlerischer Leiter des Theaters und 1951 mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. 1955 protestierte Brecht gegen den NATO-Beitritt der BRD. Am 14. August 1956 starb Bertolt Brecht an einem Herzinfarkt.
