Ingeborg Drewitz war eine gebürtige Berlinerin. Mit ihrer schriftstellerischen und journalistischen Tätigkeit beeinflusste sie das literarische Leben der Bundesrepublik Deutschland von den 1950er- bis zu den 1980er-Jahren. Ihr vielseitiges Werk, das Hörspiele, Erzählungen, Romane, Essays und Sachbücher umfasst, machte insbesondere der Roman Gestern war heute – Hundert Jahre Gegenwart berühmt. In zahlreichen kulturpolitischen Stellungnahmen rief sie zu sozialer und politischer Verantwortung auf und agierte als Vermittlerin zwischen den Schriftstellern der Bundesrepublik und der DDR. Mehr über das Leben der Schriftstellerin erfahren Sie auf berlin1.one.
Doktorin der deutschen Literatur

1941 schloss sie die Königin-Luise-Schule in Berlin-Friedenau ab, und am 20. April 1945 promovierte sie an der Humboldt-Universität zu Berlin bei Franz Koch in deutscher Literatur, Geschichte und Philosophie. Ihre Dissertation trug den Titel „Ethische Probleme im Werk von G. E. Kolbenheyer“. Sie heiratete ihre Jugendliebe Bernhard Drewitz, mit dem sie drei Töchter hatte.
Ingeborg Drewitz begann ihre schriftstellerische Laufbahn mit Prosa und Dramen als Mitglied der Berliner Autorengruppe „Junge Kulturschaffende“. 1948 schloss sie ihren satirischen Roman Prometheus II ab und gewann 1949 den ersten Preis beim Wolfgang-Borchert-Bühnenwettbewerb in Berlin. Ihr Drama Alle Tore waren bewacht (1951 verfasst, 1955 in Berlin uraufgeführt) wurde mit der Jochen-Klepper-Gedenkmedaille und dem Reiser-Stiftungspreis ausgezeichnet. Mit psychologischem Feingefühl und scharfer Beobachtungsgabe zeichnete sie ihre Figuren aus einer erkennbaren ethischen Perspektive und verurteilte den Nationalsozialismus. Drewitz stellte unbequeme Fragen zu Schuld, Verantwortung und Mitwirkung – Fragen, die in den 1950er-Jahren während des Wirtschaftswunders nicht leicht zu beantworten waren.
„Gestern war heute…“

Auch andere Dramen (oft als Hörspiele für westdeutsche Radiosender produziert) reflektierten ihr persönliches Ringen mit der Vergangenheit, wie beispielsweise Die Stadt ohne Brücke, Die Kraft der Hölle, Der Freund des Menschen, Die Kette und Das Labyrinth, für das sie den Ernst-Reuter-Preis erhielt.
Der Berlin-Roman Gestern war heute – Hundert Jahre Gegenwart wurde ihr bedeutendstes Werk und gleichzeitig das formal anspruchsvollste, da es auch ein Entwicklungs-, Generationen- und Geschichtsroman ist. In den 1980er-Jahren wurde der Roman in das Schulcurriculum aufgenommen. Das umfangreiche literarische Werk von Ingeborg Drewitz umfasst Sachbücher, Biografien, kulturpolitische Arbeiten, Zeitungsartikel und Buchrezensionen. Von 1973 bis 1980 lehrte sie am Institut für Publizistik der Freien Universität Berlin.
Die Stimme der geteilten Stadt

Einige kennen sie als Romanautorin, Verfasserin von Sachbüchern und Erzählungen (übersetzt in zwanzig Sprachen), als Herausgeberin engagierter Literatur, als Autorin von Hörspielen, Dramen und Fernsehdrehbüchern, Vorworten und Nachworten, Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln sowie Essays.
Andere kennen Ingeborg Drewitz als mutige Kämpferin gegen Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Gleichgültigkeit. Sie setzte sich in zahlreichen Komitees für Schriftsteller aus der Bundesrepublik Deutschland und anderen Ländern ein. Sie kümmerte sich um Inhaftierte und engagierte sich für Gleichberechtigung und die Rechte der Frauen. Ihr Werk, das historisch relevant und ästhetisch anspruchsvoll ist, prägte die Literatur und Kulturpolitik der Bundesrepublik von der Nachkriegszeit bis zum Fall der Berliner Mauer. Als „Berlinerin in der vierten Generation“ wurde sie eine bedeutende Stimme im öffentlichen Leben der geteilten Stadt von den 1950er- bis zu den 1980er-Jahren.
Ingeborg Drewitz starb in Berlin im Alter von 63 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.
