Adlershof ist ein Wissenschafts- und Technologiepark in Berlin auf dem Gelände eines ehemaligen Flugplatzes. Hier arbeiten eine Universität, Forschungsinstitute und Unternehmen zusammen, Forschungen werden zu Technologien, und Technologien geben den Anstoß zur Gründung neuer Unternehmen.
In wenigen Jahrzehnten hat sich um dieses Modell ein leistungsstarkes Ökosystem gebildet – fast 1.300 Unternehmen, 18 wissenschaftliche Einrichtungen und mehr als 6.000 Studierende. Das eigentliche Geheimnis von Adlershof liegt jedoch nicht in der Anzahl der Gebäude oder Labore, sondern darin, dass der Weg von der universitären Idee zum Geschäftsmodell so kurz wie möglich ist. Mehr dazu auf berlin1.one.
Adlershof nach der deutschen Wiedervereinigung

Im Jahr 1990 war Adlershof weit entfernt vom Image eines erfolgreichen Technologiezentrums. Auf diesem Gelände arbeiteten Abteilungen der Akademie der Wissenschaften der DDR, und nach deren Auflösung mussten Tausende von Wissenschaftlern und anderen Mitarbeitern neue Arbeit suchen. Ein Teil der Institute wurde in das neue deutsche Wissenschaftssystem integriert, während in Adlershof acht Einrichtungen verblieben, die später die Grundlage für den zukünftigen Technologiepark bildeten.
Eine wichtige Entscheidung fiel am 12. März 1991: Der Berliner Senat konzipierte eine „integrierte Wissenschafts- und Wirtschaftslandschaft“. Die Idee war einfach, für das damalige Deutschland jedoch ehrgeizig – Wissenschaftler, Studierende und Unternehmer sollten nicht auf verschiedene Standorte aufgeteilt, sondern an einem Ort zusammengebracht werden. Erste Untersuchungen zeigten, dass dieser Ansatz aufging: Im Jahr 2000 gründeten die Chemikerin Christine Wedler und Professor Hans Schick als Erste die ASCA GmbH, die mit der Herstellung von Referenzmaterialien für die Umweltanalytik begann.
Wissenschaftspark Adlershof: Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft
Auf dem weitläufigen Gelände arbeiten Forscher, Studierende und Projektentwickler Seite an Seite. Unter diesen Bedingungen erhielten Technologieunternehmen nicht nur Büros, sondern auch Zugang zu wissenschaftlichen Einrichtungen, die in verwandten Bereichen arbeiten.
Dieses System umfasst:
- die Humboldt-Universität zu Berlin – ihre mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten sind in Adlershof angesiedelt;
- 18 wissenschaftliche Einrichtungen – forschen in technologischen Bereichen;
- Technologiezentren – bieten Unternehmen Zugang zu spezialisierter Infrastruktur;
- über 1.300 Unternehmen – sind in Technologiebranchen tätig;
- das Innovations- und Gründerzentrum (IGZ) – hilft jungen Teams beim Start ihrer Projekte.
Auch in finanzieller Hinsicht beeindruckt Adlershof: Der Gesamtumsatz der Unternehmen und die staatlichen Fördermittel übersteigen 4 Milliarden Euro. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass wissenschaftliche Entwicklungen nicht nur eine akademische, sondern auch eine bedeutende wirtschaftliche Rolle spielen.
Die Universität als Wirtschaftsmotor in Adlershof

Als die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten der Humboldt-Universität zu Berlin zwischen 1997 und 2003 nach Adlershof zogen, befanden sie sich inmitten von wissenschaftlichen Instituten und Technologieunternehmen. So kam zu den beiden bereits bestehenden Gruppen die universitäre Bildung hinzu.
Die Vorlesungen fanden in der Nähe der Labore statt, Forschungen wurden gemeinsam mit Unternehmen durchgeführt, und vielversprechende Ideen blieben nicht nur in Abschlussarbeiten stehen. Genau das war die Hauptbesonderheit von Adlershof – die Universität bildete nicht nur Fachkräfte für die Wirtschaft aus, sondern generierte durch junge Forscher auch kontinuierlich neue Ideen.
Vom Labor zum Startup in Adlershof

In diesem Technologiezentrum erhalten wissenschaftliche Entwicklungen Ausrüstung, Partner und die Möglichkeit, die Theorie in der Praxis zu testen. Dies ist wichtig, da selbst eine fruchtbare Idee ohne angemessene Unterstützung jahrelang nur ein Teil einer wissenschaftlichen Arbeit bleiben kann.
Die markantesten Beispiele für den Erfolg dieses Modells sind folgende Unternehmen:
- NextGO Epi – der Wissenschaftler und Unternehmer Ta-Shun Chou verwandelte die Erforschung von Galliumoxid-Epitaxieschichten in ein Geschäftsmodell. Zur Entwicklung der Technologie erhielt das Team Zugang zu Ausrüstung und Substraten des Leibniz-Instituts für Kristallzüchtung sowie Unterstützung bei Patenten und Exportkontrollen. So gab die Einrichtung den Startschuss für gleich vier Startups.
- Quantune Technologies – schloss sich um eine Technologie zusammen: ein chipgroßes Laserspektrometer zur nicht-invasiven Messung biochemischer Prozesse. Das Team um Nikolaus Hanne, Jan Kischkat, Oliver Supplie und Raphael Schlesinger erhielt für diese Entwicklung 2022 den Innovationspreis Berlin-Brandenburg und konnte 2024 eine Startfinanzierung von 13,5 Millionen Euro einwerben.
- Spark e-Fuels – Arno Zimmermann begann mit einer Dissertation an der Technischen Universität Berlin, woraus später ein Unternehmen entstand, das sich für synthetischen Flugkraftstoff aus CO₂ interessierte. Für die Pilotanlage fand sich sofort ein Partner: Integrated Lab Solutions.
In diesem Ansatz liegt der Hauptunterschied von Adlershof. Die Praxis zeigt: Ein erfolgreiches Startup-Unternehmen beginnt mit Arbeit, die noch zu einem praktischen Ergebnis geführt werden muss.
Vom grünen Kraftstoff bis hin zu Unterwasserrobotern

Der Erfolg von Adlershof zeichnet sich auch dadurch aus, wie unterschiedlich die dort entwickelten Technologien sind. Das Zentrum durchbricht das übliche Muster, bei dem die Wissenschaft jahrelang an einem engen Thema arbeitet und die Wirtschaft nur auf das Ergebnis wartet. Die Ideen umfassen verschiedene Branchen: von Energie und Luftfahrt über Medizin bis hin zu 3D-Druck und Robotik.
Beispiele dafür sind die Unternehmen:
- C1 Green Chemicals – entwickelt Technologien für grünes Methanol, ein Bereich, der sich mit der Suche nach Alternativen zu traditionellen Roh- und Brennstoffen befasst;
- Xolo – verwandelt Forschungen im Bereich 3D-Druck in eine kommerzielle Technologie; das Unternehmen arbeitet mit Objekten, deren Erstellung einen grundlegend anderen Druckansatz erfordert;
- EvoLogics – engagierte Unternehmer entwickeln Unterwasserrobotersysteme, die für Unterwasserforschungen eingesetzt werden;
- ASCA GmbH – stellt Referenzmaterialien für die Umweltanalytik her; das Unternehmen wurde im Jahr 2000 von der Chemikerin Christine Wedler und Professor Hans Schick gegründet;
- IfG – das von Norbert Langhoff gegründete Institut für Gerätebau, das später Teil der Helmut Fischer GmbH wurde.
Die Technologiezentren in Adlershof befassen sich nicht nur mit IT, sondern auch mit Photonik, Optik, Biotechnologie, Mikrosystemtechnik und erneuerbaren Energien. Das sind völlig unterschiedliche Märkte, aber der Mechanismus ist derselbe – sie erhalten die Chance, zu marktfähigen Technologien zu werden. Genau deshalb ist Adlershof als Modell für Europa so interessant: Hier hat man gelernt, Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft so miteinander zu verbinden, dass als Ergebnis nicht nur eine neue Publikation, sondern auch ein wirtschaftlicher Mehrwert für das Land entsteht.
Warum ist das Adlershof-Modell so schwer zu kopieren?

Adlershof ist nicht nur deshalb ein erfolgreicher Technologiepark geworden, weil auf seinem Gelände eine Universität, Labore und Unternehmen versammelt wurden. Hinter den Entwicklungen stehen konkrete Studierende, Wissenschaftler und Doktoranden, die die Möglichkeit bekamen, über die rein wissenschaftliche Forschungsarbeit hinauszugehen.
Der Erfolg dieses Modells beruht auf bestimmten Faktoren:
- Zeit – ein Startup entsteht nicht an einem Tag, der Aufbau eines Unternehmens kann Jahre dauern;
- Fachkräfte – universitäre Programme und der Startupservice helfen Studierenden und Forschern bei den ersten Schritten zum eigenen Projekt;
- Raum für Experimente – ein Startup-Labor bietet den Teams ein Jahr lang Zeit für Experimente sowie eine Werkstatt zur Prototypenentwicklung und Mentoring-Unterstützung;
- Vernetzung mit Experten – INAM bringt Gründer mit interessierten Vertretern der Wirtschaft zusammen;
- Möglichkeit zur Ideenprüfung – ST3AM bietet Raum für interdisziplinäre Zusammenarbeit und Prototypenbau;
- Breites Partnernetzwerk – das UNITE-Netzwerk vereint über 50 Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und dem öffentlichen Sektor.
Daher ist Adlershof nicht nur die Geschichte, wie ein leistungsstarker Technologiepark geformt wurde, sondern auch eine Geschichte über handfeste Forschungsergebnisse. NextGO Epi entstand aus der Arbeit am Institut für Kristallzüchtung, Spark e-Fuels aus einer Dissertation, und Quantune Technologies brachte seine Entwicklung zu einer Millionenfinanzierung. Genau das zeigt Adlershof: Ein junges Unternehmen braucht nicht nur eine Idee und Geld, sondern auch Ausrüstung, Fachleute und die Möglichkeit, die Entwicklung in der Praxis zu testen. Und all diese Faktoren zu gewährleisten, ist selbst für eine Großstadt eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe.
Quellen:
- https://www.adlershof.de/news/kristalle-und-karrieren
- https://braincity.berlin/stories/story/wir-leben-von-der-naehe-und-dem-austausch
- https://www.adlershof.de/news/energy-from-co2
- https://www.adlershof.de/news/die-startup-factory
- https://www.adlershof.de/en/science-technology/start-ups/overview
- https://www.hu-berlin.de/medien-und-kommunikation/aktuelles/details/innovationsnetzwerk-inam-in-adlershof-gegrundet
- https://www.adlershof.de/news/adlershofer-startup-quantune-schreibt-erfolgsgeschichten
- https://www.adlershof.de/en/hood/history
- https://www.gettyimages.com/photos/adlershof-science-center
