Eine zweite Chance für die Karriere: Wie das System der Umschulung und der Bildungsgutscheine in Berlin funktioniert

Der Verlust des Arbeitsplatzes in Deutschland bedeutet nicht immer das Ende der Karriere, da sich ein anderer Weg eröffnet – die Umschulung, die durch den Staat mit einem Bildungsgutschein finanziert werden kann. Hinter diesem trockenen deutschen Wort verbirgt sich die Möglichkeit, einen neuen Beruf zu erlernen, ohne die Ausbildung selbst bezahlen zu müssen. Mehr dazu auf berlin1.one.

Für Berlin ist es auch eine Möglichkeit, offene Stellen dort zu besetzen, wo Arbeitgeber nicht die passenden Fachkräfte finden können. Wie dieses System funktioniert, wem die Ausbildung bezahlt wird und was getan werden muss, damit die zweite Chance nicht nur auf dem Papier existiert – das herauszufinden, ist gar nicht so schwer.

Warum braucht Berlin Fachkräfte mit neuen Fähigkeiten? 

In der deutschen Hauptstadt suchen Arbeitgeber nach qualifizierten Arbeitskräften, während das Durchschnittsalter vieler Arbeitnehmer steigt. Durch digitale Technologien verändern sich die Anforderungen, und es entstehen neue Berufe. Für den Arbeitnehmer bedeutet dies die Notwendigkeit, sich neue Fähigkeiten anzueignen, um auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben.

In Berlin ist dieses Problem aufgrund des Mangels an Fachkräften und der alternden Bevölkerung besonders spürbar. Die Stadt nimmt auch viele Menschen mit einem anderen beruflichen Hintergrund auf, die ihr Wissen an den deutschen Arbeitsmarkt anpassen müssen. Daher hilft eine Umschulung denjenigen, die eine neue berufliche Richtung einschlagen möchten, und den Arbeitgebern, die benötigten Fachkräfte zu gewinnen.

Bildungsgutschein: Was genau bezahlt der Staat?

Der Name „Bildungsgutschein“ steht für eine schriftliche Zusage der Bundesagentur für Arbeit (Agentur für Arbeit) oder des Jobcenters, mit der der Staat eine berufliche Weiterbildung bezahlen kann. Die rechtliche Grundlage des Programms ist § 81 Sozialgesetzbuch III, und ab dem 1. Januar 2025 erfolgt die Finanzierung für Jobcenter-Kunden ebenfalls über die Agentur für Arbeit.

Mit einem Bildungsgutschein kann der Staat Folgendes bezahlen:

  • die Kosten für den beruflichen Kurs, Lehrmaterialien und Prüfungsgebühren;
  • die Fahrtkosten zum Ausbildungsort;
  • die Kinderbetreuung während der Ausbildungszeit;
  • Unterkunft und Verpflegung, falls eine tägliche Anreise zum Unterricht nicht möglich ist.

Der Gutschein wird für ein bestimmtes Bildungsziel ausgestellt und gilt nicht für jeden beliebigen Kurs. Er hat eine begrenzte Gültigkeit, in der Regel bis zu 3 Monaten, und gilt innerhalb einer bestimmten Region. Man kann nur bei einem AZAV-zertifizierten Bildungsträger lernen – das ist eine der Hauptvoraussetzungen für die Förderung.

Wer kann in Berlin einen Bildungsgutschein erhalten?

Der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet noch nicht, dass der Bildungsgutschein automatisch gewährt wird. Zunächst wird die konkrete Situation geprüft: die Erfahrung, die Ausbildung des Arbeitssuchenden und ob er in seinem Beruf weiterarbeiten kann. 

Der Gutschein kann bewilligt werden, wenn:

  • die Person arbeitslos ist oder die Gefahr besteht, den Arbeitsplatz zu verlieren;
  • eine berufliche Qualifikation erforderlich ist;
  • es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, im alten Beruf zu arbeiten;
  • eine neue Qualifikation die Chancen auf eine Anstellung erhöhen kann.

Ein Gutschein wird auch vergeben, wenn ein neuer Berufs- oder Schulabschluss benötigt wird. Wenn eine Qualifikation als notwendig für die Arbeit anerkannt wird, wird auch die Ausbildung finanziert.

Können Ukrainer in Berlin einen Bildungsgutschein erhalten?

Das ist durchaus realistisch. Die ukrainische Staatsbürgerschaft an sich garantiert noch keinen Gutschein, aber eine Person mit einem Aufenthaltsstatus, der Zugang zum deutschen System der Arbeitsförderung gewährt, kann eine Ausbildungsfinanzierung beantragen. Für viele Ukrainer mit einer Aufenthaltserlaubnis nach § 24 AufenthG kann dies eine echte Chance sein, einen neuen Beruf zu erlernen oder sich auf die Arbeit in Deutschland vorzubereiten.

Wenn der Wunsch besteht, eine Umschulung zu machen, kann man sich an folgende Stellen wenden:

  • die Bundesagentur für Arbeit (Agentur für Arbeit);
  • das Jobcenter, wenn die Person entsprechende Leistungen bezieht;
  • an einen Berufsberater, um die Richtung festzulegen und die Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen;
  • an einen AZAV-zertifizierten Bildungsträger, um sich über verfügbare Kurse und Zugangsvoraussetzungen zu informieren.

Vor dem Gespräch sollten ein Lebenslauf, Bildungsnachweise, Bescheinigungen über Berufserfahrung und Informationen über den gewünschten Beruf vorbereitet werden. Es ist auch wichtig zu entscheiden, was genau man nach der Ausbildung machen möchte. Obligatorisch sind Deutschkenntnisse auf dem Niveau, das vom jeweiligen Bildungsprogramm gefordert wird. Für viele Kurse ist dies B1 oder B2, aber für bestimmte Berufe kann auch ein höheres Niveau erforderlich sein.

Das Wichtigste ist, nicht nur mit dem Wunsch zu kommen, etwas Neues zu lernen, sondern mit einem konkreten Plan: Welcher Beruf wurde gewählt, welche Kenntnisse sind dafür erforderlich und welcher Kurs kann diese vermitteln.

Welche Berufe ist Berlin bereit zu unterstützen?

In der deutschen Hauptstadt gibt es viele offene Stellen, und die Arbeitgeber sind ständig auf der Suche nach Fachkräften. An diesen Bedürfnissen orientiert sich die Bildungszielplanung. Sie zeigt, welche Richtungen der beruflichen Weiterbildung auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind.

Ständig gesucht werden Fachkräfte für:

  • Informationstechnologie (Fachinformatiker),
  • Büromanagement (Kaufmann/-frau für Büromanagement),
  • Personaldienstleistungen (Personaldienstleistungskaufmann/-frau),
  • Steuern (Steuerfachangestellte),
  • E-Commerce (Kaufmann/-frau im E-Commerce).

Häufig benötigt die Wirtschaft der Hauptstadt Mitarbeiter in den Bereichen IT, Datenverarbeitung, Pflege, Logistik und Verwaltung. Daher sollte man vor dem Kursbesuch prioritäre Berufe identifizieren, um die optimale Richtung für die Umschulung zu wählen.

Beatrix Bauer – Der Weg zu einem neuen Beruf

Foto: Beatrix Bauer

Beatrix Bauer arbeitete über 20 Jahre in einem Telefónica-Shop und verkaufte Mobilfunkverträge. Dann interessierte sie sich für etwas ganz anderes – für Daten und die Möglichkeit, sie für Vorhersagen zu nutzen. Das Problem war jedoch, dass sie überhaupt keine Ahnung vom Programmieren hatte. Deshalb begann sie den Berufswechsel schrittweise. 

Mit Hilfe eines Bildungsgutscheins eignete sie sich folgendes an:

  • einen SQL-Kurs; 
  • eine Weiterbildung im Bereich Datenanalyse; 
  • ein Ausbildungsprogramm für Datenverarbeitungsspezialisten bei StackFuel.

Am meisten reizte Beatrix die Möglichkeit, von zu Hause aus, zu einer für sie passenden Zeit und in ihrem eigenen Tempo zu lernen. Die neuen Kenntnisse zwangen sie nicht dazu, Telefónica zu verlassen. Im Gegenteil, sie bekam eine andere Position im selben Unternehmen und wurde Junior Financial Data Engineer. So verwirklichte sie ihren Traum – an Prozessen zu arbeiten, die mit Mobilfunkverträgen verbunden sind und die sie noch aus ihrer Zeit als Verkäuferin gut kannte.

Besonders wertvoll waren ihre Python-Kenntnisse. Ohne diese, so Beatrix, wäre die neue Arbeit nicht möglich gewesen. Ihr Rat an diejenigen, die Angst vor einem Neuanfang haben: An sich selbst glauben, nach Rückschlägen nicht aufgeben und sich in einem neuen Beruf ausprobieren.

Ivan Tembe – Die Hilfe des Bildungsgutscheins 

Foto: Ivan Tembe

Ivan Tembe suchte in Berlin nach einem Programmierkurs und entschied sich für Le Wagon. Dort erfuhr er, dass die Ausbildung mit einem Bildungsgutschein bezahlt werden kann, erhielt diesen recht schnell und sparte eine beträchtliche Summe. Der Kurs dauerte 9 Wochen.

Am besten gefiel Tembe das Pair-Programming, bei dem die Teilnehmer zusammenarbeiteten, Erfahrungen austauschten und sich gegenseitig halfen, die Aufgaben zu lösen. Ein weiterer wichtiger Abschnitt, an den sich Ivan erinnerte, war die Projektwoche, in der die Studenten ihre eigenen Ideen in ein Minimum Viable Product (MVP) verwandelten. 

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