Alice Salomon war Pädagogin, Feministin, Wirtschaftswissenschaftlerin und internationale Aktivistin. Sie war eine der Pionierinnen der modernen professionellen sozialen Arbeit in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 1925 gehörte Alice zu den Gründern der Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit und wurde später die erste Präsidentin des Internationalen Komitees der Schulen für soziale Arbeit. Mehr über das Leben dieser gebürtigen Berlinerin und deutschen Wissenschaftlerin erfahren Sie auf berlin1.one.
Herkunft und frühe Jahre

Alice Salomon wurde am 19. April 1872 in einer assimilierten jüdischen Familie geboren, die seit Generationen in Deutschland auf Grundlage eines Sondererlasses von Friedrich dem Großen aus dem Jahr 1765 lebte. Sie kam fast zeitgleich zur Welt, als Juden erstmals die gleichen gesetzlichen Rechte wie alle anderen Bürger erhielten. Mehr dazu auf berlin1.one.
Die Anfänge sozialer Arbeit

Die geschäftlichen und familiären Verbindungen ins Ausland, die ihr Vater und später ihr älterer Bruder, der in England lebte, pflegten, machten sie mit internationalen und interkulturellen Fragen vertraut. Ihr Leben begann, wie sie selbst erklärte, im Alter von 21 Jahren, als sie 1893 eingeladen wurde, sich einer Frauengruppe zur Unterstützung Bedürftiger anzuschließen.
Sechs Jahre praktische soziale Arbeit in verschiedenen Bereichen sowie das persönliche Verständnis für die Notlage armer Familien bildeten die Grundlage für die Entwicklung eines praxisorientierten Lehrplans und ihrer Lehrtätigkeit in den folgenden Jahren. 1899 leitete Alice Salomon den ersten einjährigen Studiengang für soziale Arbeit. Gleichzeitig setzte sie ihre akademischen Studien fort. Von 1902 bis 1906 studierte sie an der Berliner Universität, obwohl sie nicht das für eine offizielle Zulassung erforderliche Reifezeugnis besaß. Zwei von ihr veröffentlichte Artikel wurden als ausreichender Nachweis ihrer Qualifikation anerkannt. Ihre Dissertation befasste sich mit dem Thema „Die Ursachen der ungleichen Entlohnung von Männern und Frauen“. Dieses kontroverse Thema und die Tatsache, dass Frauen noch nicht offiziell an deutschen Universitäten zugelassen waren, führten zu starkem Widerstand gegen die Verleihung ihres Doktortitels.
Die Weimarer Republik

Nach dem Ersten Weltkrieg führte Alice Salomons internationale Reputation zu einem Angebot, im deutschen Außenministerium zu arbeiten. Obwohl sie das Angebot ablehnte, hatte sie die Ehre, während der Weimarer Republik als Diplomatin zu reisen. Sie besuchte Nordamerika und bereiste Europa ausgiebig, wobei ihre Vorträge in vielen Zeitungsartikeln dokumentiert wurden. Ihre Reputation als Lehrerin und Internationalistin führte dazu, dass sie 1928 eingeladen wurde, den großen internationalen Kongress „Quinzaine Sociale“ in Paris zu organisieren, an dem 5000 Teilnehmer teilnahmen.
1932 wurde Alice Salomon zu ihrem 60. Geburtstag mit hohen Auszeichnungen geehrt, darunter einem Ehrendoktor der Medizin. Die von ihr gegründete Schule wurde offiziell „Alice-Salomon-Schule für soziale Arbeit“ genannt. Doch bereits ein Jahr später, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde ihr Name von der Schule entfernt, und ihr wurde der Zutritt zum Gebäude verwehrt.
Deportation in die USA
Am 25. Mai 1937 wurde Alice Salomon von der Gestapo vorgeladen. Nach stundenlangen Verhören stellte man ihr ein Ultimatum: Innerhalb von drei Wochen musste sie Deutschland verlassen oder sie würde in ein Konzentrationslager gebracht. Ihr wurde vorgeworfen, zu viel gereist zu sein. Die Nachricht über ihre Deportation erreichte die Vereinigten Staaten, wo ihre Ankunft in den Zeitungen angekündigt wurde. Nach dem Krieg war Alice Salomon zu schwach, um nach Deutschland zurückzukehren. Ehemalige Schüler berichteten ihr, dass ihre Schule von den Bombenangriffen der Alliierten verschont geblieben war.
1985 wurde ihre ehemalige Schule in Berlin zum dritten Mal nach ihr benannt, und 2001 wurde in Berlin feierlich das Alice-Salomon-Archiv eröffnet.
