Das Berlin der 1920er Jahre war nicht nur eine verführerische Metropole, sondern auch eine Stadt der Elektrizität. Berlin verdankte seinen Ruf als „Elektropolis“ vor allem den Elektrotechnikunternehmen AEG und Siemens. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichteten diese Unternehmen riesige Fabrikanlagen am Stadtrand der deutschen Hauptstadt. Eine dieser Anlagen war das erste mehrstöckige Fabrikgebäude Europas, erbaut von der Siemens AG. Dieses Gebäude markierte einen Meilenstein in der industriellen Architektur Berlins. Mehr dazu erfahren Sie auf berlin1.one.
Weiter entfernt vom Zentrum

Das neue Gebäude wurde zwischen 1926 und 1928 nach den Entwürfen des Siemens-internen Architekten Hans Hertlein im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet. Die Fassade und Konstruktion des Gebäudes spiegelten kompromisslos Funktionalität und Zweckmäßigkeit wider. Innen arbeiteten und arbeiten die Mitarbeiter von Siemens auf elf Stockwerken, die durch ein durchdachtes Konzept optimal genutzt werden.
Wie nachhaltig dieses Konzept war, zeigt sich bis heute: Noch fast 100 Jahre später werden in der von Hertlein entworfenen Industriehochhaus modernste Schaltwerke produziert.
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wuchs Siemens so stark, dass der Berliner Stadtkern für die Produktionsstätten zu klein wurde. Daher entstand in Spandau ein neuer Standort – die Siemensstadt.
Hier wurden nicht nur Fabriken, sondern auch Wohngebiete errichtet, darunter das heutige Siemensstadt, das mittlerweile zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
Nicht in die Breite, sondern in die Höhe

1926 entschied Siemens, die gesamte Produktion von Schaltwerken an einem Ort zu konzentrieren. Dies erforderte enorme Flächen. Hans Hertlein, der Architekt von Siemens, hatte jedoch eine revolutionäre Idee: anstelle einer horizontalen Erweiterung schlug er eine vertikale Lösung vor.
Innerhalb von zwei Jahren entstand an der Nonnendammallee ein neues Schaltwerk mit elf Stockwerken, einschließlich Keller. Das Gebäude war 45 Meter hoch, 175 Meter lang und bot eine Nutzfläche von 34.000 Quadratmetern.
Hertlein entwarf eine Stahlrahmenkonstruktion und wählte Klinkerziegel für die Außenverkleidung. Auf repräsentative Verzierungen verzichtete er vollständig. Einzig das Logo der Siemens-Schuckert-Werke, das heute nicht mehr existiert, bildete eine Ausnahme.
Die Fassade wurde durch rechteckige weiße Fenster strukturiert, die der Schaltwerk-Hochbau eine monumentale Wirkung verliehen. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch die turmartigen Pfeiler an der Fassade, die zwei Funktionen erfüllten: Sie beherbergten Treppenhäuser, Aufzüge und Sanitäranlagen und stabilisierten das Gebäude gegen Winddruck.
Kompromisslose Funktionalität

Im Inneren des Gebäudes organisierte Hertlein die Produktion so, dass sich Transportwege nicht kreuzten und die Prozesse maximal effizient abliefen.
So wurde beispielsweise der Boden im zweiten Stock speziell verstärkt, um schweres Equipment in der Bearbeitungshalle zu tragen. Auf dem vierten Stockwerk wurden Auszubildende geschult, während sich die Montagelinien für die Schaltwerke auf der fünften Etage befanden.
Alle Etagen bestehen aus durchgehenden Hallen, die sich über die gesamte Länge des 175 Meter langen Gebäudes erstrecken. Diese Konzeption ermöglicht eine flexible Raumaufteilung – sowohl in den Produktionshallen als auch im kommerziellen Bereich auf der achten Etage und im Designzentrum im obersten Stockwerk. Diese offenen Räume entsprechen modernen Open-Space-Büros.
2010 investierte Siemens erneut in die umfassende Modernisierung des Industriehochhauses, das seit 1994 als Industriedenkmal unter Denkmalschutz steht.
