1956 teilten sich Werner Forssmann, André Cournand und Dickinson W. Richards den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für ihre Entdeckungen auf dem Gebiet der Herzkatheterisierung und deren Einfluss auf die Physiologie des Blutkreislaufs. Dass Forssmann den Nobelpreis erhielt, kam überraschend. Doch seine Forschung zur einfachen und sicheren Herzkatheterisierung, insbesondere durch seine selbstständigen Experimente, bildete die Grundlage, auf der Cournand und Richards diese Methode als Standardverfahren für die Diagnose und Behandlung von Herzerkrankungen etablierten. Mehr über den Nobelpreisträger aus Berlin erfahren Sie auf berlin1.one.
Kindheit im Krieg

Werner Theodor Otto Forssmann wurde am 29. August 1904 in Berlin als einziges Kind eines Juristen und einer Hausfrau geboren. Sein Nachname „Forssmann“ stammt von seiner schwedischen Familie väterlicherseits, die aus dem schwedischen Teil Finnlands stammte. Der Lebensstil und Patriotismus des Deutschen Kaiserreichs prägten seine frühe Kindheit. Sein Jugendleben wurde durch den Ersten Weltkrieg beeinflusst, insbesondere nach dem Tod seines Vaters 1916 in einer Schlacht. Anschließend sah er sich mit den Schwierigkeiten, der Inflation und der Enttäuschung des Nachkriegsdeutschlands konfrontiert. Trotz der schweren Umstände erfüllte er den letzten Wunsch seines Vaters und erhielt eine humanistische Bildung am Askanischen Gymnasium in Berlin. Er studierte Medizin an der renommierten Charité in Berlin und schloss sein Studium im Februar 1929 ab. Danach absolvierte er ein Praktikum an der Berliner Universität.
Im Alter von nur 25 Jahren führte Forssmann seine ersten Experimente durch, um die rechte Herzhälfte mittels Katheterisierung zu untersuchen. Er war fasziniert von der Idee, den Blutkreislauf und die Herzaktivität direkt durch invasive Methoden zu verstehen. Darüber hinaus führte diese Idee zu einem alternativen therapeutischen Ansatz, um pharmakologische Wirkstoffe wie Adrenalin oder Strophanthin direkt ins Herz einzubringen. Die ersten Ergebnisse wurden 1929 in der „Klinischen Wochenschrift“, einer der führenden internationalen deutschen medizinischen Fachzeitschriften, veröffentlicht.
Chirurg und Urologe

Forssmann setzte seine Arbeit in der Universitätsklinik in Mainz fort. 1933 heiratete er seine Kollegin Elsbeth Engel, die später eine der ersten Urologinnen Deutschlands wurde. Gemeinsam zogen sie sechs Kinder groß. Ende 1933 wurde er leitender Urologe im Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin, wo sein Vorgesetzter Karl Heusch die erste spezialisierte urologische Abteilung Berlins eröffnete. Nach Abschluss seiner urologischen Ausbildung im Oktober 1936 wurde er Oberarzt der Chirurgie am städtischen Krankenhaus in Dresden unter der Leitung von Professor Albert Fromme. Dies war zu jener Zeit die größte chirurgische Klinik Deutschlands.
Kurz nach Beginn seiner Tätigkeit in Berlin wurde er 1939 als Reservechirurg für Manöver der Wehrmacht ausgewählt, also zu Beginn des Zweiten Weltkriegs.
Gefangenschaft und Inhaftierung

Forssmann diente als Sanitätsoffizier der deutschen Armee in Polen, Norwegen und Russland. Besonders beeindruckend waren für ihn die Kämpfe bei Demjansk, wo er unter ständiger Lebensgefahr als Chirurg erschöpfend arbeitete. 1945 wurde er von französischen Streitkräften für sechs Monate als Kriegsgefangener inhaftiert. Nach seiner Freilassung Ende 1945 war Werner Forssmann ein gebrochener Mann, gezeichnet und tief erschüttert von den tragischen Erlebnissen des Krieges und der Gefangenschaft.
Nach seiner Entlassung begann Forssmann eine Praxis im Schwarzwald, wo seine Frau während des Krieges als Allgemeinärztin tätig war. Gemeinsam mit seiner Frau setzten sie ihre Arbeit in Wambach, einem kleinen Dorf im Schwarzwald, fort und dienten dort der Bevölkerung.
