Das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium – Die erste Bildungseinrichtung Berlins

Das Bildungssystem in Deutschland entwickelte sich über viele Jahrhunderte hinweg kompliziert, und bedeutende Veränderungen wurden nicht nur durch den preußischen König Friedrich Wilhelm III. angestoßen, sondern auch durch den Diplomaten Wilhelm von Humboldt. Dieser führte Bildungsprinzipien ein, die in Deutschland bis ins 21. Jahrhundert Bestand haben. Auch andere Persönlichkeiten, wie der Pietist Johann Julius Hecker, trugen zur Entwicklung des Schulsystems bei. Hecker gründete im 18. Jahrhundert die erste weiterführende Schule in Berlin, die als Friedrich-Wilhelm-Gymnasium bekannt wurde und deutschen Kindern eine hochwertige Bildung bot. Mehr dazu auf berlin1.one.

Schulen in Preußen im 18. und frühen 19. Jahrhundert

Um die Bedeutung des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf das damalige Schulsystem. Bis zum 17. Jahrhundert durften in Deutschland nur Angehörige privilegierter Schichten Schulen besuchen. Unterricht fand meist in Klöstern statt, wo der Fokus auf kirchliche Lehren lag. Privater Unterricht zu Hause war zwar erlaubt, blieb jedoch wohlhabenden Familien vorbehalten.

Elementarschulen, in denen Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet wurden, waren günstig, aber selbst geringe Gebühren konnten sich viele arme Familien nicht leisten. In einigen Fällen übernahm die Kirche die Kosten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts besuchten daher nur wenige Kinder eine Schule. Zudem waren die Lehrer oft schlecht ausgebildet, da sie meist Handwerker oder Soldaten ohne pädagogische Qualifikation waren.

Revolutionäre Veränderungen durch Aufklärer

Bild: Der preußische Diplomat Wilhelm von Humboldt

Nach mehreren schweren Niederlagen der preußischen Armee gegen Napoleon erkannte König Friedrich Wilhelm III., dass es einer besseren Bildung seiner Untertanen bedurfte, um die Armee zu stärken. 1809 erließ er ein Dekret zur Verbesserung des Schulsystems, um „geistige Kräfte zu mobilisieren und physische Verluste durch geistige Stärke zu ersetzen“. Die Umsetzung der Reformen wurde Wilhelm von Humboldt anvertraut.

Humboldt schlug ein völlig neues Bildungssystem vor, in dem die Fähigkeiten der Kinder und nicht ihre gesellschaftliche Herkunft im Vordergrund standen. Seine „Nationalschule“ („die Nationalschule“) sollte patriotische Bürger hervorbringen. Humboldts Vorschlag, Schulen in Grund- und weiterführende Schulen zu unterteilen, stieß zunächst auf Widerstand von Konservativen, legte jedoch den Grundstein für moderne Unterrichtsmethoden.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Nachfrage nach Fachkräften in Wirtschaft, Technik und Verwaltung. Ab 1870 entstanden Realschulen mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt, Berufsschulen und Realgymnasien.

Johann Julius Hecker und die Gründung des Gymnasiums

Johann Julius Hecker, ein Pietist, gründete 1747 in Berlin die erste weiterführende Schule, die später den Status einer königlichen Schule erhielt. Hecker war beim preußischen König sehr angesehen und konnte daher eine praxisorientierte Schule ins Leben rufen. Hecker war Theologe, beherrschte alte Sprachen und unterrichtete unter anderem Latein, Griechisch, Hebräisch, Deutsch, Religion, Geschichte, Arithmetik, Botanik, Anatomie, Physiologie und Chemie.

1735 ernannte König Friedrich Wilhelm I. Hecker zum Pastor und Schulinspektor des Militärwaisenhauses in Potsdam, wo er für Waisenhäuser und Schulen für Soldatenkinder verantwortlich war. Heckers „ökonomisch-mathematische“ Schule in Berlin ermöglichte es Schülern ohne klassische Ausbildung, praktische Berufe in Handel, Produktion oder Kunst zu erlernen. Zudem gründete er 1748 das erste Lehrerbildungsseminar in Preußen, da die Nachfrage nach Bildung stieg und Lehrkräfte knapp waren. Hecker legte großen Wert auf praxisorientierten Unterricht und führte Schulgärten ein, in denen Schüler Gemüse und Heilpflanzen anbauten.

Karl Friedrich August Grashof – Der erste Schulleiter

Der erste Direktor des späteren Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums war Karl Friedrich August Grashof, ein gebildeter Bildungspolitiker. Nach seinem Theologiestudium wirkte er ab 1793 an der Reform des preußischen Schulsystems mit. Im Gegensatz zu anderen Schulen des Landes war das Gymnasium zunächst eine private wissenschaftliche Schule, die Kindern umfassende Bildung vermitteln sollte. Grashof etablierte eine konfessionsübergreifende „Schule der Gelehrten“, die 1803 über 1400 Schüler zählte.

Nach seiner Tätigkeit in Berlin wurde Grashof 1810 Rektor eines Lyzeums in Prenzlau und trat 1813 in die preußische Armee ein. Nach den Befreiungskriegen spielte er eine wichtige Rolle bei der Reorganisation des Bildungssystems im Rheinland.

Die Erfolge des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Berlin

Bild: Postkarte zum 100-jährigen Bestehen der Schule

König Friedrich Wilhelm II. stellte dem Gymnasium ein eigenes Gebäude an der Ecke Kochstraße und Friedrichstraße zur Verfügung. 1811 wurde die Schule in ein Realschule und eine Mädchenschule aufgeteilt. Letztere wurde 1827 zur Elisabethschule. 1841 zählte das Gymnasium fast 1500 Schüler. 1883 erhielt die Schule den Status eines Realgymnasiums und den Namen „Kaiser-Wilhelm-Realgymnasium“.

1890 zog das Gymnasium in ein neues Gebäude an der Kochstraße 13 um. Das alte Gebäude wurde an ein Restaurant übergeben, das viele Jahre eines der beliebtesten in Berlin war. Das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium bestand bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg zerstörten das Gebäude vollständig, sodass die Schule nicht wieder eröffnet wurde.

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