Im modernen Berlin arbeiten hunderte von Imkern, und für die Metropole ist dies längst keine Exotik mehr. Bienenstände entstehen hier nicht nur am Stadtrand, sondern auch in Hinterhöfen, Gärten und sogar in der Nähe belebter Stadtviertel. Für viele Einwohner ist dies Teil des Alltags geworden: Die einen pflegen die Bienenstöcke als Hobby, die anderen haben ihre Leidenschaft zum eigenen Geschäft gemacht. Obwohl die Imkerei traditionell mit dem Landleben assoziiert wird, hat Berlin ein völlig anderes Modell gezeigt – eine Stadt, in der Imker die urbane Kultur radikal verändert haben und den Markt bereichern. Mehr dazu auf berlin1.one.
Wie die Imkerei zur Stadtbewegung wurde

Die Berliner verbrauchen jährlich 4.000 Tonnen Honig, doch die lokalen Imker können diesen Bedarf nur teilweise decken. Da die Zahl der Imker in der Stadt jedoch stetig wächst, bleiben die Perspektiven optimistisch. In der deutschen Hauptstadt gibt es bereits 500 Imker; es handelt sich nicht mehr um ein Nischenhobby für Enthusiasten, sondern um eine kraftvolle Stadtbewegung. Interessanterweise wuchs das plötzliche Interesse an Bienen früher meist nur in schwierigen Zeiten der Landesgeschichte. So zum Beispiel nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Bewohner der zerstörten Stadt massenhaft Bienenstöcke aufstellten, um das Überleben zu sichern.
Im 21. Jahrhundert sind die Motive der Menschen jedoch ganz andere. Für viele Deutsche ist die Imkerei zu einem Symbol für einen achtsamen Umgang mit der Natur und zu einem Bestandteil einer Kultur der ökologischen Verantwortung geworden. Genau deshalb hat das städtische Projekt „Berlin summt“ dutzende Stadt-Imkereien vereint, die an den ungewöhnlichsten Orten entstanden sind. Dieses Interesse kam nicht von ungefähr.
Denn in der deutschen Hauptstadt gibt es viele:
- Privatgärten;
- Parks;
- Grünflächen.
Dies bietet den Bienen selbst inmitten dichter Bebauung gute Bedingungen. Allmählich entwickelte sich die Initiative „Berlin summt“ weit über eine Umweltkampagne hinaus und formte eine neue Gemeinschaft von Stadtimkern. Eines der Symbole dieser Bewegung wurde das Unternehmen „Berliner Honig“, das unter der Leitung von Annette Müller den Berliner Honig zu einer eigenen lokalen Marke machte.
Heinz Risse: Bienen auf dem Dach des Parlaments

Einer der bekanntesten Teilnehmer der Bewegung ist Heinz Risse, der Bienen dort pflegt, wo das Berliner Parlament tagt. Die Bienenstöcke befinden sich auf dem Dach des Reichstagsgebäudes, direkt neben der berühmten Glaskuppel. Übrigens sind die Dachterrasse und die Kuppel des Reichstags als eine der Hauptattraktionen der Hauptstadt für Besucher geöffnet, doch für die Bienen wurde ein separater Platz gefunden.
Herr Risse arbeitet souverän mit diesen Nutzinsekten und öffnet einen Bienenstock sogar ganz ruhig ohne Schutzkleidung. Er erklärt dies einfach: Er beobachtet die Bienen jeden Tag mit großem Interesse, und sie haben sich an ihn gewöhnt. Zudem ist Risse davon überzeugt, dass die Imkerei ihm geholfen hat, viele außergewöhnliche Menschen kennenzulernen. Vor allem aber hat das Hobby viel Interessantes über das Leben der Bienen in der Großstadt offenbart, das seine eigenen Besonderheiten hat. Übrigens wird der Honig vom Reichstagsdach oft Ehrengästen als symbolisches Geschenk des Parlaments überreicht.
Uwe Mart: Bienen erklären die Entstehung des Universums

Der Berliner Uwe Mart hat seinen Bienenstock im Garten des Berliner Planetariums aufgestellt, sodass man dort nicht mehr nur über den Kosmos, sondern auch über Honig spricht. Wie der Imker Journalisten berichtete, begann er schon lange mit Bienen zu arbeiten, bevor er Instruktor für das Projekt „Berlin summt“ wurde. Zuerst stellte er Bienenstöcke im Garten der Grundschule auf, an der er unterrichtete. Dann entstand die Idee, Stadtkindern im Rahmen des Unterrichts die Bienen näherzubringen.
Laut Uwe Mart standen die Eltern der Schüler solchen Experimenten anfangs skeptisch gegenüber, sahen dann aber die positiven Ergebnisse. Zudem erhielt das Projekt Unterstützung – die Stadtverwaltung gewährte eine Prämie von 1.700 Euro für die Entwicklung der Imkerei. Damals wählte Herr Mart das Planetarium als Standort für die Imkerei aus, um den Menschen durch die Form der Bienenwaben und die Logik des Bienenvolkes zu zeigen, wie sehr solche Strukturen in der Natur den Vorstellungen über den Aufbau des Universums ähneln.
Frank Henrichs und das Schwärmen, das seine Welt veränderte

Frank Henrichs wählte das Dach des Berliner Doms für seine Imkerei. Wie er Journalisten erzählte, arbeitete er früher als Finanz- und Immobilienberater in einer großen Hotelkette. Als er von dem neuen Berliner Projekt erfuhr, wagte er es, sein Leben radikal zu ändern, und erwarb ein Gebäude, das er in eine Jugendherberge umwandelte. Dieser Schritt schenkte ihm einen anderen Rhythmus – einen, der stärker davon abhängt, was man mit eigenen Händen zu schaffen lernt.
Laut Frank Henrichs bleibt die Beobachtung der Bienenarbeit für ihn immer ein besonderer Moment. Denn dieser Prozess gibt ihm ein Gefühl von Ruhe und Kontrolle zurück. Das Hotel liegt nur 300 Meter vom Dom entfernt, sodass Herr Henrichs die Möglichkeit hat, täglich nach den Bienenstöcken zu sehen und sich um ihren Zustand zu kümmern. Dies ist besonders wichtig während der Schwarmzeit, wenn sich das Verhalten der Bienen ändert und ständige Aufmerksamkeit erfordert.
Philipp Markert: Wie ein Ingenieur zum Imker wurde?

Ein weiterer ungewöhnlicher Ort für eine Imkerei verdient Erwähnung – das Dach der Himmelfahrtkirche, die unweit des Alexanderplatzes und der Karl-Marx-Allee liegt. Dort stellte der Imker Philipp Markert seine Bienenstöcke auf. Seinen Worten zufolge war diese Entscheidung die Fortsetzung einer persönlichen ökologischen Wahl.
Nach dem Mauerfall wurde die Kirche in ein Öko-Konferenzzentrum umgewandelt, und auf dem Dach wurden folgende Einrichtungen geschaffen:
- ein Garten;
- eine Imkerei;
- Solarpaneele.
Dies änderte die gesamte Logik der Raumnutzung – von einem religiösen Symbol verwandelte er sich in eine Plattform für praktische Ökologie. Philipp Markert begeisterte sich nach einem Bienenseminar für die Imkerei, obwohl er eine Ausbildung als Ingenieur für Holzverarbeitung hatte. Nachdem er die Imkerei eingerichtet hatte, entschied er sich zudem für einen Berufswechsel und wurde Küchenchef in einem Restaurant. Seither vermeidet er bewusst Pestizide und kauft Produkte auf lokalen Märkten. Zudem verzichtet er auf die Massenlebensmittelindustrie, die er hinsichtlich Qualität und Umweltauswirkungen für problematisch hält. Nach Meinung von Herrn Markert ist dies in Deutschland ein schwieriger Weg, doch er verbindet ihn mit alltäglicher Verantwortung – von der Restaurantküche bis zum Honig in den eigenen Bienenstöcken.
Mark-Wilhelm Kohfink und Hotels mit eigenem Honig

Einer der angesehensten Imker Berlins ist Mark-Wilhelm Kohfink. Er wird oft zur Eröffnung neuer Imkereien eingeladen, und dieser Fachmann weist niemanden ab. Herr Kohfink selbst arbeitet seit 1999 im Bezirk Köpenick und entwickelte sukzessive die Idee, dass Berliner Hotels eigene Bienenstöcke auf den Dächern halten könnten, um Honig für ihre Gäste zu haben. Dieser Ansatz hat die Logik des städtischen Service wesentlich beeinflusst.
Mark-Wilhelm Kohfink erzählte Journalisten, dass die Imkerei sein Familienbetrieb ist. Alles begann mit Wilhelm Kohfink, der in den 1890er Jahren Orangenhaine an der Ostküste des Mittelmeers pflegte. Dort beobachtete er oft, wie Bienen an der Bestäubung teilnahmen, interessierte sich dafür und begann, die Imkerei zu erlernen. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er nach Bietigheim in Württemberg zurück, wo er den Familienbetrieb fortführte. Später übernahm sein Nachfahre die Imkerei, jedoch mit anderen Methoden, unter Verwendung von Oberträgerbeuten und Krainer Bienen. Diese Erfahrung legte laut Mark-Wilhelm den Grundstein dafür, dass er 1999 den Familienbetrieb in Berlin startete.
Herr Kohfink leitet das Unternehmen „Kohfink“; seine Imkerei in Köpenick arbeitet nach den organischen Standards von „Bioland“. Er produziert jährlich 12 bis 15 Honigsorten, wobei jede Charge im Honiglabor des Staatlichen Instituts für Bienenkunde Hohen Neuendorf geprüft wird. Dies festigt den Ruf des Produkts als kontrolliert und qualitativ stabil. In den 2020er Jahren ist die Imkerei Kohfink bereits nicht mehr nur eine lokale Geschichte, sondern ein fester Bestandteil des Bio-Marktes in Berlin.
Andreas Krügers Traum – 80 Kilogramm Honig pro Bienenstock im Jahr

Der Berliner Andreas Krüger entschied sich, seine Bienenstöcke auf dem Dach des Rathauses Hellersdorf aufzustellen. Für ihn war dies keine Laune, sondern die Möglichkeit, einen Kindheitstraum zu verwirklichen. Herr Krüger arbeitet als Ausbilder für Menschen mit Behinderungen und kam zur Imkerei, als er feststellte, dass ihm ein lebendiger Prozess fehlte, den man täglich beobachten kann.
Wie Herr Andreas erzählte, dachte er sich anfangs den lustigen Slogan „besser Honig als ein Hund“ aus, womit er meinte, dass Bienen viel praktischer als Haustiere seien. Sie verursachen keine Haushaltsprobleme, wirken sich aber positiv auf die städtische Ökologie aus. Allmählich wurde aus dem Hobby ein Familienbetrieb, und die Imkerei wuchs auf 10 Bienenstöcke an. Herr Krüger findet jeden Tag Zeit, seine Schützlinge zu besuchen, studiert alle modernen neuen Methoden und träumt davon, bis zu 80 Kilogramm Honig aus jedem Bienenstock zu gewinnen. Dieses Ziel, so sagt er, hilft ihm sehr dabei, in Schwung zu bleiben.
Remscheid: Wie Berlin eine Imkerei im Gefängnis initiierte

Dem Beispiel Berlins folgend, begann man sogar im Gefängnis der Stadt Remscheid mit der Bienenzucht. Das Projekt „Imkerei JVA Remscheid“ startete im Jahr 2016, was den gewohnten Arbeitsrhythmus der Justizvollzugsanstalt sofort veränderte. Die Gefangenen beteiligten sich bereitwillig an der Pflege der Bienen, und mit der Zeit griffen auch andere Gefängnisse in Nordrhein-Westfalen diese nützliche Initiative auf.
Allein in Remscheid umfasst die Imkerei 70 Bienenstöcke, die in Gärten und Naturschutzgebieten aufgestellt werden, wo Mitarbeiter des Gefängnisses tätig sind. Die Verurteilten bauen die Konstruktionen zusammen, bereiten das Inventar vor und füllen den Honig ab. Das Justizministerium von Nordrhein-Westfalen unterstützt dieses Format der Arbeitstherapie gerade wegen des positiven Effekts auf die Verhaltensänderung der Verurteilten. So sorgt die Imkerei in Remscheid nicht nur für sinnvolle Arbeit und leckeren Honig auf dem Tisch, sondern auch für optimistische Veränderungen durch den engen Kontakt mit der Natur.
Quellen:
