Die Königliche Bibliothek in Berlin – Unschätzbare Schätze Deutschlands

Berlin wird oft als Stadt der Wissenschaftler und Studenten bezeichnet, denn hier befinden sich vier renommierte Universitäten des Landes sowie bedeutende Forschungszentren. Diesen Status hat die Stadt über Jahrhunderte bewahrt. Ein Beweis dafür ist die Staatsbibliothek zu Berlin, in der seltene und wertvolle Exemplare aufbewahrt werden. Diese Bibliothek gehört zum Kulturerbe Preußens und ist als wertvolles Denkmal gelistet. Die heutige Staatsbibliothek besteht aus zwei Gebäuden: der ehemaligen Königlichen (auch Alten) Bibliothek und der Neuen Bibliothek. Die Alte Bibliothek befindet sich in der Nähe des Boulevards Unter den Linden, der ebenfalls als Wahrzeichen der Hauptstadt gilt. Interessant ist, dass dieser Tempel der Kultur nicht nur die älteste, sondern auch die erste unabhängige Bibliothek Berlins ist. Mehr dazu auf berlin1.one.

Warum wurde sie Königliche Bibliothek genannt?

Foto: König Friedrich Wilhelm II.

Die Geschichte der Bibliothek begann 1774, als König Friedrich Wilhelm II. den Bau einer separaten Bibliothek für seine Bücher anordnete. Seit 1661 wurden wertvolle Exemplare im Apothekentrakt des Berliner Schlosses aufbewahrt, doch der Platz reichte nicht mehr aus. Laut offiziellen Angaben erbte König Friedrich Wilhelm von seinem Vater 21.000 gedruckte Bücher und 1.800 Manuskripte. Der neue Besitzer erweiterte die Sammlung kontinuierlich, die schließlich auf 150.000 Bände anwuchs.

Für die neue Büchersammlung erwarb der König 1774 ein Gebäude gegenüber dem Schwedischen Palais. Der erste Entwurf stammte vom französischen Architekten Barthélemy Bourdet, doch dieser gefiel der königlichen Familie nicht. 1775 genehmigte der König das Projekt von Georg Christian Unger, der sich an Plänen des österreichischen Baumeisters Josef Emanuel Fischer von Erlach orientierte. Daher ähneln sich die äußeren Erscheinungen dieser Bauwerke.

Der Grundstein wurde am 17. Januar 1775 gelegt, und die Arbeiten wurden 1780 abgeschlossen. Interessanterweise wurde das Michaeltrakt der kaiserlichen Residenz der Habsburger in Wien, nach dessen Vorbild die Königliche Bibliothek entworfen wurde, erst ein Jahrhundert später fertiggestellt. Historiker vermuten, dass König Friedrich Wilhelm II. mit diesem Bauwerk die Überlegenheit Preußens gegenüber Österreich demonstrieren wollte. Die Bibliothek wurde nicht nur wegen der königlichen Sammlung, sondern auch als Symbol des nationalen Stolzes als Königliche Bibliothek bezeichnet.

Architekturmerkmale

König Friedrich Wilhelm II. hätte auch ein anderes Projekt wählen können, doch ihm gefiel der gewählte architektonische Stil. Moderne Forscher bezeichnen die Königliche Bibliothek als das einzige erhaltene Beispiel des Hochbarocks in Norddeutschland. Der Mittelteil der Fassade wurde durch einen rechteckigen Mittelrisalit betont, flankiert von Arkadenflügeln und Eckpavillons mit korinthischen Säulen und Pilastern. Aufgrund der ungewöhnlich geschwungenen Fassade nannten die Berliner die Bibliothek „Kommode“.

Jeder der drei Risalite wurde mit Figurengruppen auf einem Balustradenattika verziert. Die zentrale Gruppe zeigte Krone und Zepter als Herrschaftssymbole, platziert auf einem offenen Buch, das für historische Wissenschaft und Wissen stand. Die rechte Gruppe symbolisierte die himmlische Sphäre, während die linke weibliche Figur den Wind und die rechte den Feuergeist darstellte. Hinzu kamen 14 weitere Skulpturen, die die preußische Königsfamilie ehrten. Der Architekt vereinte die neun Musen mit ihren Attributen wie Büchern, Schriftrollen, Harfen, Rosenblättern und Lorbeerkränzen.

Schätze der Königlichen Bibliothek

Vor der Errichtung dieses Kulturturms galt Literatur in Deutschland als Privileg des Adels und hoher Beamter. Der König machte sie jedoch der bürgerlichen Gesellschaft zugänglich und ließ eine Inschrift am Gebäude anbringen, die bis heute zu sehen ist: „Nutrimentum spiritus“ – „Nahrung für die Seele“. Zu den wertvollen Beständen der Bibliothek gehörten Manuskripte großer Denker der Aufklärung wie Kant, Leibniz, Diderot, Rousseau und Voltaire. Im frühen 19. Jahrhundert galt die Königliche Bibliothek als die größte und effizienteste kulturelle Einrichtung des Landes.

Mit der Gründung der Universität wurde beschlossen, allen Studenten Zugang zu den Büchern zu gewähren. Gleichzeitig wurden wertvolle Bücher aus der Universitätsbibliothek dorthin verlegt. 1905 umfassten die Bestände über eine Million Bände, was den Bau eines größeren Gebäudes erforderte. 1909 wurde die neue Bibliothek fertiggestellt, und 1910 wurde die Alte Bibliothek mit einem neu möblierten Auditorium der Universität übergeben. Diese Übergabe fand anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Universität statt. 1918 wurde die Bibliothek von Königlicher in Preußische Staatsbibliothek umbenannt.

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