Die Brauerei „Schultheiss“: Ein Schloss des Bieres, gebaut 1871

Die Brauerei „Schultheiss“ wurde 1871, im Gründungsjahr des Deutschen Kaiserreichs, errichtet. Wie es damals üblich war, lag der Fokus auf einem ästhetischen Erscheinungsbild, das dem riesigen Komplex den Eindruck eines Schlosses verlieh. Das Ziegelgebäude mit Türmen und Zinnen bot Platz für Kutschenfahrer, eine große Brauhalle, einen Tanzsaal mit Kronleuchtern sowie für die imposanten Anlagen zur Herstellung und Lagerung des Gerstensafts. Mehr über dieses beeindruckende Gebäude lesen Sie auf berlin1.one.

Eine Million Hektoliter pro Jahr

Im Jahr 1842 gründete der Apotheker August Heinrich Prell in Berlin eine der ersten norddeutschen Brauereien, die sich durch die eigene Herstellung von Malz auszeichnete. Nach seinem Tod im Jahr 1853 übernahm Jobst Schultheiss die Brauerei und führte sie als „Schultheiss’ Bräu“ zu großem Erfolg. Später wechselte die Brauerei erneut den Besitzer: Die Familie Roesicke übernahm 1864 das Unternehmen und machte es zur größten und modernsten Brauerei ihrer Zeit in Norddeutschland.

Zwischen 1867 und 1891 fusionierte die Brauerei mit anderen, darunter die Brauerei „Tivoli“. Dadurch wurde „Schultheiss“ schlagartig zur größten Brauerei Deutschlands und eröffnete ein repräsentatives Lokal in der Schönhauser Allee, das heute als „Kulturbrauerei“ bekannt ist. Im Jahr 1905 überschritt „Schultheiss“ erstmals die Produktionsgrenze von einer Million Hektolitern pro Jahr.

Die Folgen zweier Kriege

Vor dem Ersten Weltkrieg war „Schultheiss“ im Jahr 1913 die größte Brauerei der Welt. Mit über 2800 Mitarbeitern, einer riesigen Fahrzeugflotte und einer jährlichen Produktion von 1,8 Millionen Hektolitern war der Aufstieg beeindruckend. Doch mit Ausbruch des Krieges endete dieser rasch.

In den späten 1930er-Jahren beschäftigte die in „Schultheiss-Brauerei AG“ umbenannte Brauerei 6380 Mitarbeiter, füllte täglich rund eine Million Bierflaschen ab und betrieb elf Brauereien sowie 85 eigene Kneipen in Berlin und anderen Großstädten. Der Zweite Weltkrieg setzte der Expansion jedoch ein jähes Ende. Nach Kriegsende wurde viel Arbeit investiert, um die zerstörten Anlagen wieder aufzubauen und die Bevölkerung sowie die Besatzungstruppen mit Bier und alkoholfreien Getränken zu versorgen.

Keine Getränkemonokultur

1949 führten umfangreiche Investitionen und Fusionen in Berlin und Westdeutschland dazu, dass „Schultheiss“ zu einer der größten deutschen Brauereien wurde. Mit einem Marktanteil von 67 Prozent dominierte sie den Biermarkt in West-Berlin.

In den späten 1980er-Jahren wurde die „Schultheiss-Brauerei AG“ Teil der „Brau und Brunnen AG“, der damals größten deutschen Getränkegruppe. 1991 erfolgte die Gründung des Schultheiss-Brauereiverbunds, der die „Schultheiss Brewery AG“, die „Berliner Pilsner Brewery GmbH“, die „Spree-Trans-Logistik GmbH“ und die „Oderland Brewery GmbH“ vereinte.

Seitdem setzt die Brauerei auf Markenvielfalt statt auf Monokultur. In Berlin-Lichtenberg werden neben „Schultheiss“ auch „Berliner Pilsner“ und „Berliner Kindl“ nach traditionellen Originalrezepten und aus besten Zutaten streng nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Um diese Strategie zu stärken, startete „Schultheiss“ 2008 eine aufmerksamkeitsstarke Werbekampagne und präsentierte sich im neuen Design. Der frische, klar strukturierte Look, der Tradition und Moderne verbindet, markiert einen echten Neuanfang für das Berliner Original, das bereits 1871 gegründet wurde.

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