„Auguste-Viktoria-Klinikum“ – Die Berliner Klinik, in der die erste Duodenopankreatektomie durchgeführt wurde

Das „Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum“ (AVK) befindet sich im Berliner Bezirk Schöneberg. Es handelt sich um ein akademisches Lehrkrankenhaus, das der „Charité“ angegliedert ist. Seit den 2000er Jahren wird das Krankenhaus von der Gruppe kommunaler Kliniken „Vivantes“ verwaltet. Vor der Gründung der Gruppe im Jahr 2001 unterstand das Krankenhaus der jeweiligen Bezirksverwaltung. Mehr über die Geschichte der Klinik lesen Sie auf berlin1.one.

Der Bau der Klinik

Das Auguste-Viktoria-Klinikum wurde zwischen 1903 und 1906 als kommunales Krankenhaus mit 600 Betten für die damals noch eigenständige Stadt Schöneberg erbaut. Den Entwurf für den Bau lieferte der Architekt und Stadtplaner Paul Egeling. Die Bau- und Ausstattungskosten beliefen sich auf 7,5 Millionen Mark. Die Klinik wurde nach Auguste Viktoria, der letzten deutschen Kaiserin und Königin von Preußen, benannt. Dies war eine Würdigung ihrer finanziellen Unterstützung für den Bau der Einrichtung.

Die offizielle Eröffnung fand am 1. Oktober 1906 statt. Doch bereits ein Jahr später erwies sich die Kapazität des Krankenhauses als unzureichend. Zwei Jahre nach der Eröffnung beschloss der Stadtrat von Schöneberg den Bau eines Anbaus, der 1910 fertiggestellt wurde. Der Anbau umfasste ein Röntgenzimmer, sechs separate Pavillons als Lazarette und ein Badehaus.

Die Whipple-Operation

Der erste Chefarzt der chirurgischen Abteilung, Walter Kausch, führte 1909 hier die weltweit erste Duodenopankreatektomie durch, die auch als Whipple-Operation oder genauer als Kausch-Whipple-Chirurgie bekannt ist.

Während des Ersten Weltkriegs wurde die Klinik um ein Militärkrankenhaus erweitert, in dem bis 1919 kranke und verwundete Soldaten behandelt wurden.

Mit der Eingemeindung Schönebergs in Groß-Berlin wurde das AVK Eigentum der Stadt Berlin. Zwischen 1924 und 1929 waren umfangreiche Rekonstruktions- und Erweiterungsarbeiten notwendig, um den Anforderungen durch Epidemien (Grippe, Tuberkulose) und neue technische Standards gerecht zu werden.

Die NS-Zeit

Ab 1933, mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurden jüdische Mitarbeiter gezwungen, die Klinik zu verlassen. Sie wurden als „unzuverlässiges und nicht-arisches Personal“ eingestuft. Zudem mussten die verbliebenen Ärzte Zwangssterilisationen gemäß dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses durchführen.

Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg

1939 wurde ein Operationsbunker gebaut. Ein Luftangriff im Jahr 1943 zerstörte drei Gebäude, und ein Großteil der Klinik wurde nach Karlsbad verlegt.

Nach dem Ende des Krieges nahm das AVK den Betrieb wieder auf. Zunächst standen 50 Betten zur Verfügung. Aufgrund der schlechten Lebensbedingungen und Versorgungslage breiteten sich Epidemien wie Typhus, Dysenterie und Kinderlähmung aus. Zwischen 1951 und 1957 wurden beschädigte Gebäude schrittweise wieder aufgebaut. In dieser Zeit entstanden auch ein neues Röntgenzimmer und ein Aufenthaltsraum.

Erweiterungen und Modernisierungen

1961 beschloss der Berliner Senat, das AVK auf 1125 Betten zu erweitern. Neue medizinische Technologien wurden eingeführt, und die Klinik erhielt zusätzliche Fachabteilungen, darunter Neurologie, Onkologie, Geburtshilfe, Urologie und Intensivmedizin.

Ein bedeutender Fortschritt erfolgte 1975, als zuvor eigenständige kommunale Kliniken in Steglitz (Leonorenstraße und Malteserstraße) und ein Sanatorium in Wyk auf Föhr mit dem AVK fusionierten.

1980 wurde der Grundstein für ein neues Verwaltungsgebäude gelegt. Weitere schrittweise Modernisierungen und Erweiterungen führten zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Versorgung im Auguste-Viktoria-Klinikum. Selbst im Jahr 2019 war dieser Prozess noch nicht abgeschlossen.

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