Das Krankenhaus „Sankt Gertrauden“ – Eine Klinik, die in Berlin fast nie gebaut worden wäre

Es ist ein glücklicher Zufall, dass das Krankenhaus „Sankt Gertrauden“ (SGK) so eindrucksvoll aussieht und überhaupt in Berlin steht. Ursprünglich plante der Orden der Schwestern der hl. Katharina, sein Krankenhaus in Königsberg zu errichten, scheiterte jedoch an Differenzen mit der Stadtverwaltung. 1929 traf die Oberin des Ordens in Berlin auf Hermann Brüning. Mehr über die Entstehungsgeschichte des Krankenhauses lesen Sie auf berlin1.one.

Die feierliche Eröffnung

Am 4. November 1930 wurde das Krankenhaus „Sankt Gertrauden“ offiziell an seinem heutigen Standort eröffnet und nahm bereits am darauffolgenden Tag die ersten Patienten auf. Die offizielle Einweihung fand am 16. November statt, und seitdem ist die Klinik ein fester Anlaufpunkt, nicht nur für Patienten aus Wilmersdorf.

In seiner Geschichte hat das Krankenhaus „Sankt Gertrauden“ zahlreiche Krisen überstanden, oft mit minimalen Schäden. Kurz nach der Eröffnung war die neue Klinik während einer Grippeepidemie im Januar 1931 bereits komplett ausgelastet. Es mussten zusätzliche Betten bestellt werden, was die Bekanntheit der Einrichtung in der Berliner Bevölkerung schnell steigerte. Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Klinik Gebäudeschäden, stellte jedoch die Patientenversorgung nie ein. Mehrfach konnte die drohende Schließung durch die Unterstützung und das Engagement der Mitarbeitenden verhindert werden.

Über 90 Jahre hinweg hat sich das Krankenhaus kontinuierlich weiterentwickelt. Heute bietet es stationäre und ambulante medizinische Versorgung auf höchstem Niveau. Zwei Ordensschwestern unterstützen weiterhin katholische und evangelische Seelsorger sowie den Hospizdienst, der seit über 20 Jahren besteht.

„Ein modernes Krankenhaus“

Das Ziel der Schwestern war es stets, sich mit modernen medizinischen Erkenntnissen um die Armen, Kranken und Hilfsbedürftigen zu kümmern. Eine Ausgabe der „Berliner Börsenzeitung“ beschrieb das Krankenhaus bei seiner Eröffnung im November 1930 als „modernes Krankenhaus“ mit „maximal fünf Betten“ in Krankenzimmern, die in „freundlichen, modernen Farben“ gestaltet waren. Die Klinik verfügte über „alle zeitgemäßen Annehmlichkeiten“, darunter ein Röntgenzimmer und Heilbäder.

In den Anfangsjahren gab es drei Abteilungen: Innere Medizin, Chirurgie sowie Geburtshilfe und Gynäkologie. Heute umfasst die Klinik zwölf Fachabteilungen, darunter eine Radiologie, ein Zentrallabor, eine Diabetologie, ein Brustzentrum sowie mehrere interdisziplinäre Zentren. Dazu gehören die Brustschmerzambulanz, die Kardiologie, eine Katheter- und Notfallstation mit einer Beobachtungsstation, eine große therapeutische Abteilung mit Trainingspool und eine medizinische Versorgungsstelle. Diese Entwicklungen erforderten mehrere strukturelle Erweiterungen, darunter Neubauten in den 1990er Jahren.

Lehrkrankenhaus

Das SGK wurde ursprünglich als Ausbildungsstätte für Krankenschwestern gebaut. Heute bietet die Pflegeschule rund 90 Ausbildungsplätze. Als akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin verfügt das SGK über umfassende Möglichkeiten zur medizinischen Ausbildung und Weiterbildung. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Herzzentrum werden chirurgische Assistenten ausgebildet und Ärzte für die große therapeutische Abteilung rekrutiert.

Die römisch-katholischen Ordensschwestern übernehmen heute nur noch wenige Aufgaben im Krankenhausalltag. Die fortschrittlichen Ideen der Ordensgründerin Regina Protmann aus dem 16. Jahrhundert leben jedoch weiter. Mitarbeiter aus über 30 Nationen und 17 religiösen Gemeinschaften arbeiten hier. Neben der Patientenpflege war die Hilfe für Bedürftige stets ein zentrales Anliegen des Ordens. Bis heute erhalten Obdachlose hier während der Adventszeit ein „Berliner Stulle“ und gefüllte „Weihnachtssäcke“. In der kalten Jahreszeit engagiert sich das ehrenamtliche Pflege- und medizinische Personal aktiv für wohltätige Zwecke.

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