In jedem Land gibt es gastronomische Touren, die interessante Unternehmen für Reisende vorstellen. Doch Kenner bestimmter Gerichte kennen auch die Adressen gemütlicher Orte in Städten, wo man spezielle Varianten der Lieblingsleckereien genießen kann. Zu solchen beliebten Orten in Berlin gehört das deutsche Café „Buchwald“. Es ist die älteste Konditorei der Hauptstadt und befindet sich im Stadtteil Hansaviertel. Seit über 170 Jahren werden hier köstliche Kuchen, Torten und Gebäck gebacken. Doch der Stolz der Konditoren ist seit Jahrzehnten der „Baumkuchen“, der eine faszinierende Geschichte hat. Mehr auf berlin1.one.
Besonderheiten des „Baumkuchen“ von den Meistern der Konditorei „Buchwald“

Die Auswahl an Desserts in diesem Café ist riesig – allein die Torten gibt es in über 55 Varianten: mit Himbeercreme oder Honig-Sanddorn-Füllung, mit Heidelbeeren und Zitrone, mit Erdbeeren und Passionsfrucht. Dazu gibt es noch Bananenkuchen, klassischen Käsekuchen, Pralinen, Eiscreme, saftige hausgemachte Kuchen und vieles mehr.
Doch jeder, der die Konditorei besucht, fragt nach einer Portion „Baumkuchen“. Dieser traditionelle deutsche Kuchen, auch bekannt als „Baumkuchen“, verdankt seinen Namen der Ähnlichkeit seines Querschnitts mit den Jahresringen eines Baumstamms. Die Konditoren der Konditorei geben das Rezept von Generation zu Generation weiter und halten es streng geheim. Für die Zubereitung werden ausschließlich umweltfreundliche Produkte verwendet. Im Geschmack lassen sich Marzipan, frische Aprikosenmarmelade und Glasur erkennen.
„Baumkuchen“ wird traditionell zu Weihnachten hergestellt, und die Zubereitung dieses Desserts gilt als eine der schwierigsten Disziplinen der Konditoreikunst. Der Teig wird vorsichtig um eine Metallrolle gewickelt, dann geschichtet und gebacken, bis 15–20 Schichten entstehen, die an die Ringe eines Baumes erinnern. Das Rezept für den „Baumkuchen“ wurde erstmals 1682 in einem diätetischen Kochbuch von Johann Sigismund Elsholz erwähnt.
Köstliche Desserts von „Buchwald“ werden auf fünf Kontinente geliefert, und die Eigentümer sind stolz darauf, dass ihr Gebäck so hoch geschätzt wird. Übrigens hat das amerikanische Online-Magazin „Buzzfeed“ die Konditorei „Buchwald“ in die Liste der 25 Bäckereien aufgenommen, die man „besuchen muss, bevor man stirbt“. In jedem Scherz steckt eben ein Funken Wahrheit.
Die erstaunliche Geschichte von „Buchwald“

Alles begann im Jahr 1852, als der talentierte junge Konditor Gustav Buchwald beschloss, seine eigene Konditorei zu eröffnen. Er spezialisierte sich auf die Herstellung von „Baumkuchen“, die damals über offenem Feuer gebacken wurden. Der 17-jährige junge Mann begann in der Stadt Cottbus, erkannte jedoch bald, dass er mehr erreichen konnte. 1883 zog Gustav nach Berlin, erlangte eine königliche Audienz und bewies, dass der „Baumkuchen“ den Titel „König der Kuchen“ verdient. Damals erhielt Buchwald den Status des königlich-preußischen Hoflieferanten.
In Berlin beschloss er, seine Produktion aufzubauen, und kaufte ein Haus. Doch die Produktion und den Handel organisierte später sein Sohn Gustav, der ebenfalls diesen Namen trug. Schnell wurde der Kuchen, der nach einem Familienrezept hergestellt wurde, zu einem Symbol des Wohlstands in wohlhabenden Familien. So blieb es bis zum Schwarzen Freitag 1928, als das Unternehmen kurz vor dem Untergang stand. Die Familienmitglied Kathie Dillitz rettete die Konditorei.
Schwierige Zeiten für „Buchwald“
Doch es wurde immer schwieriger, sich auf dem Markt zu behaupten. 1939 befahlen die Nationalsozialisten, Mehl nur noch für die Brotherstellung zu verwenden. Die Konditorei musste schließen, und Kathie arbeitete in einer Brotfabrik. Sie überlebte glücklicherweise den Einsturz des Betriebs während der Bombardierung der Stadt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eröffnete Kathie Dillitz die Konditorei erneut und baute das Geschäft langsam aus.
Allgemeine Anerkennung

Die Konditorei erlitt 1961 erhebliche Verluste, als die Berliner Mauer gebaut wurde, da das Café in der Nähe der Grenze lag. Die Eigentümerin investierte in Werbung und organisierte die Lieferung in die Stadt per Post. Der Ruf der köstlichen Backwaren brachte dennoch weiterhin Kunden. Von ihrer Mutter übernahm Ursula Kantelberg das Geschäft. Sie war eine erfahrene Konditorin, doch in jenen Zeiten galt dieser Beruf als reine Männersache. Sie musste sich heimlich als Junge verkleiden und arbeitete gleichwertig mit Männern – und oft besser als sie. In den 1950er-Jahren hatte die Bäckerei bereits 45 Auszubildende. 1960 präsentierte Ursula Kantelberg ihre Kunst auf der Berliner Funkausstellung und erhielt eine Goldmedaille.
Mit 22 Jahren wurde sie die jüngste Konditormeisterin Berlins, was noch mehr Kunden anzog. Die Popularität des Cafés wuchs im Laufe der Jahre weiter. Seit 2015 führt die Tochter von Ursula, Andrea Tonges, das Familienunternehmen. Der Arbeitstag beginnt um 5 Uhr morgens und endet um 20 Uhr. Es wird ohne Ruhetage gearbeitet. Die Familie erlaubt sich nur zu Neujahr eine Auszeit. In den 2020er-Jahren begann Andrea Tonges, ihre Erfahrungen allmählich an ihren Sohn Eike weiterzugeben, der eine Hotelfachschule besucht hat und bereits in der Familienkonditorei arbeitet.
Weitere Besonderheiten des Cafés „Buchwald“

Die Besucher sind vom Interieur des Cafés begeistert. Tische mit braunen Servietten und künstlichen Rosen, ein hundertjähriger Parkettboden, eine Uhr aus dem letzten Jahrhundert und Retro-Möbel. Die altmodische Einrichtung trägt zu einer gemütlichen Atmosphäre bei. Die Inhaberin Andrea Tonges erklärt diese Designwahl damit, dass die Räume so gemütlich sein sollen wie im Wohnzimmer einer Großmutter.
Die Besucher sind sich einig, dass hier die Zeit stillzustehen scheint. Dieses Café ist ein Ort, an dem man dem Alltag entfliehen, köstliches Gebäck mit Kaffee oder anderen Getränken genießen und den Duft der Leckereien einatmen kann. Deshalb kommen die Gäste immer wieder zurück – nicht nur wegen der Süßigkeiten, sondern auch wegen der angenehmen Atmosphäre.
