Wenn es um Schmuck geht, denken die meisten Menschen an Gold, Silber oder Edelsteine. Doch in der Geschichte Deutschlands gab es eine bemerkenswerte Ausnahme: Schmuck aus Eisen. Die ersten Erwähnungen solcher Schmuckstücke stammen aus dem Jahr 1790, als Armbänder, Ohrringe und Halsketten für trauernde Damen gefertigt wurden. Diese originellen Stücke erfreuten sich großer Beliebtheit, und 1804 begann die Königliche Berliner Eisengießerei mit der Herstellung solcher Schmuckstücke. Dieses neue Format wurde als „Berliner Eisen“ bekannt und ging in die Geschichte der dekorativen Kunst ein. Doch auch private Gusseisenschmieden in Berlin boten ihre einzigartigen Werke an, die heute in Sammlungen weltweit erhalten sind. Mehr dazu lesen Sie auf berlin1.one.
Die Ära des Eisenschmucks

Die von Berliner Meistern gefertigten Schmuckstücke beeindrucken auch im 21. Jahrhundert durch ihre Kunstfertigkeit und filigrane Formen. Zu den ersten Kreationen gehörten lange Ketten mit gegossenen Gliedern, ab 1806 kamen Halsketten aus Medaillons, verbunden durch Glieder und Drahtgeflechte, in den Handel. Diese Schmuckstücke wurden schnell populär, und deutsche Damen trugen sie nicht nur in der Trauerzeit.
Die Nachfrage stieg insbesondere während der Befreiungskriege von 1813 bis 1815, als das preußische Königspaar seine Untertanen aufforderte, Gold- und Silberschmuck zugunsten der Kriegsfinanzierung zu spenden. Im Gegenzug erhielten sie Eisenschmuckstücke mit der Aufschrift „Für das Wohl des Vaterlands“. Diese Schmuckstücke wurden zu einem Symbol des Patriotismus. Nach 1850 ging die Mode für Eisenschmuck zurück, obwohl die Produktion bis Ende des 19. Jahrhunderts weiterlief.
Gusseisenschmiede von Geiß in Berlin

Johann Conrad Geiß war einer der ersten Berliner Juweliere, die ab 1804 Eisenwaren parallel zur Königlichen Eisengießerei herstellten. Zunächst fertigte er Einlagen aus antiken Eisengemmen, später entwickelte er eigene Designs und Modelle für die Manufaktur. Geiß machte sich einen Namen mit Ornamenten, die Klee, Weinranken und Akanthusblätter zeigten, sowie Schmuck im neugotischen Stil.
Seine Werke sind auch heute noch erkennbar, vor allem durch sein Meisterzeichen, das er auf allen Stücken anbrachte. Besonders bekannt sind eine gusseiserne Halskette mit Kreuzanhänger und eine filigrane Schmuckschatulle, die im Märkischen Museum in Berlin aufbewahrt werden. Sein Sohn Moritz Geiß setzte das Erbe fort, wurde Miteigentümer des Betriebs und entwickelte die Zinkgussindustrie in Berlin.
Gusseisenschmiede von Devaranne

Ein weiterer bekannter Berliner Meister des Eisenschmucks war Simeon Pierre Devaranne. Er begann als Gold- und Silberschmied und wechselte später zum Gusseisen. Ab 1828 führte er eine eigene Gusseisen- und Zinkgießerei. Seine Werke zeichneten sich durch fantasievolle Ornamente aus, ein berühmtes Beispiel ist eine gusseiserne Halskette mit einem Schmetterlingsanhänger aus dem Jahr 1840. Dieses Stück befindet sich ebenfalls im Märkischen Museum.
Devarannes Arbeiten waren schon im 19. Jahrhundert teuer und sind heute auf dem Antiquitätenmarkt hoch geschätzt. Neben Schmuck fertigte er auch Reliefs, darunter ein Porträt Napoleons I., sowie Statuetten und Lampen. Devaranne erhielt auch Aufträge für Skulpturen des Königs Friedrich Wilhelm III. und des Schriftstellers Walter Scott.
Gusseisenschmiede von Müller

Johann Friedrich Gottlieb Müller begann als Kupfergraveur und sammelte später Erfahrung in der Königlichen Preußischen Eisengießerei. 1828 eröffnete er eine eigene Werkstatt für Gusswaren. Seine Werke, darunter Medaillons und Reliefs, wurden auf zahlreichen Ausstellungen in der Berliner Akademie der Künste gezeigt. Ein frühes Werk war ein Medaillon mit dem Profil seiner Frau Albertine, gefertigt 1830. Später schuf er Porträtmedaillons von Friedrich Wilhelm IV. und weiteren prominenten Persönlichkeiten.
Gusseisenschmiede von Lehmann
August Ferdinand Lehmann spezialisierte sich auf Büsten, widmete sich aber bald der Herstellung von Eisenschmuck. Seine Werke waren weniger raffiniert als die von Geiß, doch seine Ornamentik, oft mit Akanthusblättern, war unverwechselbar. Alle Stücke trugen das Meisterzeichen „AFL“ oder „Lehmann Berlin“.
Gusseisenschmiede von Seehase
Alfred Richard Seehase, Sohn eines Leipziger Professors, entschied sich nach dem frühen Verlust seiner Eltern für die Gießereikunst. 1829 gründete er eine Werkstatt in Berlin, die Statuetten, Lampen und andere dekorative Stücke aus Eisen und Bronze fertigte. Ein herausragendes Beispiel seiner Kunst ist eine Gedenkstatue für Johannes Gutenberg, geschaffen zur 400-Jahr-Feier der Erfindung des Buchdrucks.
Der Reiz von Eisenschmuck

Im 21. Jahrhundert mag es ungewöhnlich erscheinen, dass Frauen so einfache und schwere Schmuckstücke bevorzugten. Doch die Kombination aus königlicher Unterstützung und der kreativen Fantasie der Meister machte Eisenschmuck zu einem Symbol für Eleganz und Nationalstolz. Diese Tradition beeindruckt selbst heutige Experten, die über fortschrittlichere Technologien verfügen.
