In Berlin gibt es viele Einrichtungen, die seit Jahrhunderten bestehen und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die offiziell älteste Apotheke Berlins ist die ehemalige Apotheke „Rothe“ im Bezirk Mitte, die im Jahr 1732 eröffnet wurde. Seit 1960 gehört sie zu den denkmalgeschützten Gebäuden, und ihr historisches Interieur blieb auch nach Restaurierungen erhalten. Über die Jahre wechselte die Apotheke mehrfach Besitzer und Namen, bis sie 2019 von Anike Oleski übernommen wurde. Mehr dazu auf berlin1.one.
Mit königlicher Erlaubnis

Apotheken entstanden in Europa im Jahr 1241 durch das Salernitische Edikt des Kaisers Friedrich II. Darin wurde erstmals die Trennung der Berufe von Ärzten und Apothekern sowie deren Rechte und Pflichten festgelegt. Apotheker durften keine Patienten behandeln, und Ärzte durften keine Patienten an bestimmte Apotheken verweisen, um Medikamente zu kaufen. Zudem durfte eine Apotheke nur von jemandem eröffnet werden, der eine medizinische Ausbildung an einer Universität absolviert hatte. Da der Apotheker persönlich für die Qualität der Medikamente verantwortlich war, war diese Regelung sinnvoll. Der Verkauf von Medikamenten war nur zu staatlich festgelegten Preisen erlaubt.
Im 18. Jahrhundert wuchs Berlin rapide, und zwischen 1725 und 1737 entstanden über 1000 neue Gebäude. Einer der Begünstigten war der Hofrat und Leibarzt des Königs, August Buddeus. 1732 erhielt er ein Haus und beantragte sofort beim König Friedrich Wilhelm I. die Erlaubnis, eine Apotheke zu führen. Bereits im September desselben Jahres erteilte der Monarch ihm das Privileg, „in seinem eigenen Haus eine Apotheke mit Materialhandel einzurichten“. So entstand in Berlin die erste Apotheke, die als Apotheke „Rothe“ bekannt wurde.
Ein Wechselspiel der Besitzer

Interessanterweise war es Leibarzten laut Gesetz untersagt, selbst Apotheken zu betreiben, da dies den von König Friedrich Wilhelm I. erlassenen medizinischen Vorschriften widersprach. Zudem verbot ein königlicher Erlass von 1720 die Vergabe neuer Privilegien in Berlin. Forscher vermuten, dass Buddeus die Erlaubnis aufgrund seiner Verdienste in der Feldchirurgie und Anatomie erhielt, obwohl sein Status als Leibarzt ebenfalls eine Rolle gespielt haben dürfte. Um Probleme zu vermeiden, übergab er die Leitung der Apotheke einem angestellten Fachmann.
Nach Buddeus‘ Tod im Jahr 1753 musste seine Witwe die Apotheke verkaufen und beantragte dafür die königliche Genehmigung. Der König stimmte zu, unter der Bedingung, dass der Betrieb nur an einen Apotheker übergeht. So wurde August Thierfelder im April 1754 neuer Besitzer der Apotheke, die er für 300 Taler erwarb. Thierfelder zog die Apotheke an die Rosenthaler Straße um, wo sie viele Jahrzehnte blieb. Der Name „Rothe Apotheke“ blieb erhalten.
Die Apotheke wechselte im Laufe der Jahre mehrfach den Besitzer. Jeder neue Eigentümer prägte das Unternehmen auf seine Weise, bis Johann Carl Friedrich Kobes im Jahr 1799 die Leitung übernahm und die Apotheke modernisierte.
Die Herausforderungen des 19. Jahrhunderts
Während der napoleonischen Besetzung Berlins im Jahr 1806 mussten Apotheken eine hohe Kriegssteuer zahlen. Die Apotheke „Rothe“ trug als eine der größten Apotheken der Stadt eine besonders hohe Last. Trotz der Herausforderungen hielten die Besitzer an ihrem Geschäft fest, bis Johann Carl Friedrich Kobes die Apotheke 1820 verkaufte.
In den folgenden Jahrzehnten war die Apotheke im Besitz verschiedener Persönlichkeiten, darunter Friedrich Wilhelm Erdmann Remchilde, Johann Jakob Hertz und Carl Ludwig Kutz, der für seine kreativen und wissenschaftlichen Ansätze bekannt war. Kutz modernisierte die Apotheke und führte neue Technologien ein, die den Betrieb effizienter machten.
Revolution im Apothekengeschäft

Im späten 19. Jahrhundert veränderte sich die Pharmazie durch die industrielle Herstellung von Medikamenten grundlegend. Apotheken konnten zunehmend fertige Arzneimittel verkaufen, anstatt sie selbst herzustellen. Dies führte zu sinkenden Einnahmen für traditionelle Apotheken. Um konkurrenzfähig zu bleiben, investierte die Apotheke „Rothe“ in ein modernes Erscheinungsbild. Ein neues vierstöckiges Gebäude mit aufwendiger Rokoko-Innenausstattung und einer eigenen Telefonleitung, die in der Telefonbuchausgabe von 1881 erwähnt wurde, machte die Apotheke zu einem Vorreiter im Berliner Apothekenwesen.
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Im Jahr 1937 musste Wilhelm Wartenberg, der damalige Besitzer, die Apotheke an den Nazi-Funktionär Richard Berger verkaufen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Apotheke 1954 als kommunale Einrichtung unter dem Namen „Berolina-Apotheke“ neu eröffnet. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Gebäude privatisiert und später von Anike Oleski übernommen, die die Apotheke 2019 in „MediosApotheke Hackescher Markt“ umbenannte.
