Verheerende Brände, Explosionen, Gebäudeeinstürze, Überschwemmungen, Stürme und andere Katastrophen veranlassten König Friedrich Wilhelm IV., eine professionelle Feuerwehr für die Stadt Berlin zu gründen. Der entscheidende Faktor war der Brand am 1. Februar 1851, der das Kroll-Gebäude gegenüber dem Reichstag vollständig zerstörte. Mehr über die Gründung der Feuerwehr in Berlin lesen Sie auf berlin1.one.
Feuerwehrhäuser für Ausrüstung

Schon lange vor der Gründung der Berliner Feuerwehr waren Bürger, die Pferde besaßen, und Fuhrleute verpflichtet, in Notfällen ihre Gespanne und Pferde bereitzustellen. Dies ist in einer Anordnung der Berliner Polizei vom 1. Mai 1743 festgehalten. Die Berliner Feuerwehr verfügte erst ab 1880 über eigene Gespanne. Zuvor mussten Transportmittel von Fuhrunternehmen oder Straßenreinigern gemietet werden. Eine ähnliche Situation gab es auch bei anderen Berufs- und Freiwilligenfeuerwehren.
Speziell für die Feuerwehr errichtete Gebäude gab es in Berlin erst ab 1862. Zuvor gab es nur Feuerwehrhäuser zur Lagerung der Ausrüstung, in die bei Alarm Pferde gebracht werden mussten. Die Feuerinspektion III in der Mauerstraße 15a war eines der ersten Gebäude, die für die Feuerwehr errichtet wurden. In diesen alten Feuerwehrdepots bestand fast das gesamte Erdgeschoss aus einem Wagenhaus, in dem die Fahrzeuge untergebracht waren. In der Regel befanden sich über dem Wagenhaus zwei Obergeschosse, in denen die Mannschaftsräume untergebracht waren. Die Ställe waren getrennt vom Wagenhaus, und wenn ein Alarm ausgelöst wurde, mussten die Pferde zunächst durch den Hof gebracht werden.
Erst 1897, nach dem Bau der Feuerwachen Urban in der Wilmsstraße 19 und Fischerstraße 37/38, wurden die Pferde neben oder vor den Wagen eingestellt. Ein freies Pferd stand in der Nähe der Deichsel des Feuerwehrwagens und konnte schnell angespannt werden. Dies führte zu einer Alarmbereitschaft von nur 28 Sekunden.
154 Pferde für ganz Berlin

Nach 1880 erhielt die Berliner Feuerwehr die Genehmigung, eigene Gespanne anzuschaffen. Es wurden Pferde dänischer, hannoverscher, aber vor allem ostpreußischer und mecklenburgischer Rassen eingestellt. Bevorzugt wurden Tiere, die an das Pflaster der Stadt gewöhnt waren. Im Jahr 1883 verfügte die Berliner Feuerwehr über 112 Feuerwehrpferde, 1904 waren es 154.
Die Verwaltung entschied, dass jede einzelne Einheit mit Pferden derselben Fellfarbe ausgestattet werden sollte. In der Abteilung gab es einen Tierarzt, der sich um die Tiere kümmerte. In den ersten Jahren wurden die Pferde von externen Schmieden beschlagen. Später übernahm eigenes Personal diese Aufgabe unter Aufsicht des Tierarztes. Die Beschläge wurden alle vier Wochen erneuert. Vom 15. April bis zum 15. Oktober erhielten die Pferde sogenannte Sommerbeschläge.
Die Fütterung erfolgte dreimal täglich, und die Pferde wurden sehr gut versorgt. Stroh wurde bis zum 1. September 1895 als Einstreu verwendet, danach wurde Torfstreu eingeführt. Dies geschah, um die Ansammlung von Ammoniakdämpfen in der Luft des Stalls zu verhindern, da sich in unmittelbarer Nähe der Ställe die Schlafräume der Feuerwehrmannschaft befanden.
Experimente mit drei Pferden

In der Regel hatte die Feuerwehr nur zweispännige Wagen, mit wenigen Ausnahmen. Mannschafts- und Wasserwagen wurden in den Wintermonaten, wenn starker Schnee lag, mit vier Pferden bespannt. Oft mussten jedoch Mietpferde eingesetzt werden, da es an Reservegespannen mangelte. Um in solchen Situationen möglichst wenig Pferde einzusetzen, wurden 1897 Experimente mit drei nebeneinander eingespannten Pferden durchgeführt.
Die Feuerwehrpferde hatten ein Durchschnittsalter von 4,5 Jahren. Pferde, die für den Feuerwehrdienst ungeeignet waren, wurden öffentlich versteigert. Sie wurden oft an Molkereien oder Brauereien weiterverkauft. Es kam vor, dass ehemalige Feuerwehrpferde unwillkürlich an ihre früheren Pflichten erinnert wurden, beispielsweise wenn der Alarm eines vorbeifahrenden Feuerwehrwagens ertönte. Dann konnte man beobachten, wie ein Feuerwehrwagen durch die Straßen Berlins raste, gefolgt von einem Brauereiwagen ohne Kutscher. Die pferdebespannten Fahrzeuge wurden bis 1938 nach und nach durch Kraftfahrzeuge ersetzt.
