Im 19. Jahrhundert traf eine Cholera-Pandemie Berlin schwer. Die rund 20.000 katholischen Einwohner der preußisch-protestantischen Stadt hatten kein eigenes Krankenhaus. Berlin war schlecht auf den Ausbruch der Epidemie vorbereitet. Im Jahr 1846 gründeten Gemeindemitglieder der St. Hedwigs-Kathedrale unter der Leitung eines Ordens ein Krankenhaus. Während der Märzrevolution 1848 nahm die Klinik Verwundete der Aufstände auf. Erst 1851 wurde jedoch ein eigenes Gebäude für das Krankenhaus errichtet. Mehr zur Geschichte und zum Bau der Klinik erfahren Sie auf berlin1.one.
Eines der ältesten Krankenhäuser

Gemessen an ihrem Gründungsjahr ist die katholische Alexianer St. Hedwig Klinik eines der ältesten großen Krankenhäuser der deutschen Hauptstadt.
Der Pfarrer der einzigen katholischen Gemeinde in Berlin, Anton Brinkmann, stellte bereits 1844 einen Antrag an den preußischen König zur Gründung eines Krankenhauses. Zwei Jahre später wurde die Genehmigung erteilt, und am 14. September 1846 eröffnete die Klinik. Zunächst betrieben Nonnen eine Krankenstation, für die sie private Wohnräume anmieteten. Die erste Oberin, Schwester Xaveria Rudler, übernahm die Verantwortung für die Pflege der Kranken. Die Einrichtung wurde nach der Pfarrei der Kathedrale St. Hedwig benannt.
Während der revolutionären Unruhen 1848 kam es zu Spannungen zwischen den Schwestern und den Aufständischen. Die Leitung der Klinik überzeugte die Protestierenden jedoch davon, dass ihre Mission die Hilfe für Bedürftige sei. Schließlich nahm das Krankenhaus auch verwundete Revolutionäre auf. Die Popularität der Einrichtung stieg, und die Zahl der Patienten wuchs schnell. Von anfänglich drei Betten im Jahr 1844 stieg die Kapazität bis 1850 auf 50 Betten.
Eigenes Gebäude

Angesichts des wachsenden Bedarfs wurde klar, dass ein eigenes Klinikgebäude erforderlich war. Die Gemeinde St. Hedwig erwarb ein Grundstück in der Große Hamburger Straße und beauftragte den Architekten Vincenz Statz, einen der einflussreichsten Vertreter der Neugotik im Rheinland, mit der Planung. Statz war auch der Architekt des Kölner Doms. Die Klinik wurde zwischen 1851 und 1854 erbaut.
Bemerkenswert ist, dass die ersten Patienten bereits aufgenommen wurden, bevor der Hauptbau fertiggestellt war. Nun bot das Krankenhaus Platz für 250 Patienten, verfügte über eine Innere Medizin, eine chirurgische Abteilung und ein Kinderheim. Am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts kamen eine eigene Kinderabteilung und ein Altenpflegeheim, das Elisabethhaus, hinzu. Im Jahr 1900 wurde ein Operationssaal im Hauptgebäude eröffnet. Zwischen 1899 und 1900 wurde südlich des Hauptgebäudes ein weiteres Krankenhausflügel im neugotischen Stil angebaut.
Die Zeit der DDR

Ab Mai 1945 war das Krankenhaus die einzige funktionsfähige große Klinik in Berlin. 1946, zum 100-jährigen Bestehen der Klinik, wurde das Gebäude renoviert, einschließlich der beschädigten Fassade und Fenster.
Zwischen 1950 und 1960 verließen viele Fachkräfte die Klinik, um in Betrieben in West-Berlin zu arbeiten. Während der DDR-Zeit erhielt das christliche Krankenhaus nur geringe staatliche Unterstützung, konnte jedoch dank großzügiger finanzieller Hilfe des Caritasverbandes aus der Bundesrepublik weiterhin gut arbeiten und war technisch gut ausgestattet.
Nach den politischen Veränderungen und der Wiedervereinigung Deutschlands in den 1990er Jahren wurde die „St. Hedwig Kliniken Berlin“ gegründet, die das Krankenhaus unter ihre Verwaltung stellte. Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums fand 1996 ein Familientag in der Klinik statt. Nach 1990 entstanden neue Gebäude, deren Stil durch die Verwendung von Klinkerziegeln harmonisch in den historischen Komplex integriert wurde.
